Am Montagmorgen (HAMMER, wie idyllisch es war…)
| Wieder die Aussicht aus meinem Zimmer, morgens um halb 6 |
| Da steig ich in die Tram ein - West Marybirnong |
hab ich mich nun also todesmutig in die Schlangengrube begeben: Mein erster Tag bei SBS Radio, German Program.
Am Sonntag habe ich ja wie gesagt mit Robert, meinem Vorgängerhospitanten geredet und er hat mir eeeecht versucht alle Angst zu nehmen. Wer allerdings jemals schon mal probiert haben sollte, Luise ihre Ängste zu nehmen, wird gemerkt haben, dass mans da nicht eben leicht hat ;-) Hab mir ja wieder viiiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeel zu viele Gedanken gemacht… Aber naja ;-) Ja, Robert hat mir also gesagt, ich soll ganz relaxed am Montag reinkommen. Die Uhrzeit war allerdings nich so relaxed: 8 Uhr. Remember: 1 ½ Stunden mit der Tram 57 in die Stadt -.-
Ich habs überlebt. War ja eh viel zu aufgeregt, um richtig zu schlafen (obwohl ich die Muskelbelastung durch den unbequemen Fahrradsattel meines klapprigen Herrenfahrrads von Sonntagmorgen doch sehr um meinen herzallerliebsten Allerwertesten gemerkt hab, was mich eigentlich hätte schlafen lassen müssen…). Naja, ich bin morgens also losgetigert und war auch sehr pünktlich um 8 da. Nur leider ist die Redaktion ja zusammen mit dem ACMI im Alfred Deaking Building. Und da kommt man nur rein, wenn man entweder ne VIP-Piepkarte hat (was Hospitanten nicht haben) oder das ACMI geöffnet ist. Das ACMI ist aber um 8 noch nicht geöffnet. Also musste ich oben anrufen, um abgeholt zu werden. Natürlich, wie sollte es anders sein, hatte ich das famose Glück, dass genau um 8 hinter mir ne Kehrmaschine mit gefühlten 800000 Millionen Dezibel vorbeigefahren ist. Ich hab denjenigen, der angerufen nicht gehört und er mich nich… Super Einstand :-( Seis drum. Man scheint mich jedoch erwartet zu haben (JUHU, endlich ein Praktikum, bei dem die Praktikanten eingeplant sind – ich erinnere an Antenne Landau: „Praktikum??? Am Montag? Bei uns? Sind sie sicher Frau Ritter?“), denn ich wurde tatsächlich abgeholt. Mit nem Puls von ner Milliarde hat mich Robert begrüßt und nach oben geführt. Als erstes musste ich dann oben Adrian (der am Telefon war) erklären, warum man mich nich verstehen konnte… Wie auch immer. Es war nur ein kurzes Hallo, denn um 9 war schon Sendung: „Pünktlich um 9“. Robert bereitete dafür die Sportnachriten vor, ich durfte direkt ne Meldung schreiben (Radsportergebnisse der Commonwealth Games), die er dann auch gleich in der Sendung gelesen hat – da seid ihr auch en bisschen stolz, oder? ;-) Es war alles ziemlich aufregend auf jeden Fall und ich kannte mich ja auch erst mal noch null aus. Wurde einfach ins kalte Wasser geschmissen (da schwimm ich auch immer noch…). Man lernt dort einfach alles, indem mans macht. Es erklärt einem niemand vorher lang und breit, sondern es geht einfach los. „Guck dir die Manuskripte von der Woche vorher an, dann machs, dann passts schon.“ Okay, hab ich gedacht, los geht’s :-) Als die Sendung um 10 dann vorbei war, waren wir erst mal alle zusammen Kaffee trinken. In zwei Cafés am FedSq kriegen wir Rabatt ;-) Da hab ich mich also dann vorgestellt und es gab ein fröhliches Hallo. Die Redaktion besteht aus Christian Froehlicher, dem Executive Producer (also dem Chef), Adrian Plizco, Oliver Heuthe und Patrick Wauthier. Dann gibt’s noch Pamela Rauleder, aber die is grade in Urlaub. Und natürlich gibt’s noch den jeweiligen Hospitanten, der grad da is (immer für 8 Wochen). Christian und Adrian (achso, man duzt sich :-) ) sind Schweizer und jetzt kommts: Zumindest Christian (von Adrian weiß ichs nich) kennt Herrn Häusermann – wie geil is das denn??? „Ja klaaaaaar, Jürg Häusermann, ein großer Mann im Schweizer Hörfunk.“ Uni TÜ halt, da schnallste ab, wat? Und sollte es Herr Zurstiege denn doch irgendwann schaffen, mich für die Werbeproduktion zu begeistern: Ich würd sofort Christian buchen, um Rasierwasser oder so zu vekaufen. Sehr attraktiver Herr… Von Adrian hab ich leider noch nicht viel mitgekriegt, aber ich glaub er is so der Scherzkeks mit dem trockenen Humor… Oliver hat die BOMBEN-RADIOSTIMME, wenn der Sendung macht, hat glaub ich jeder Komplexe und Patrick…wenn der mir mit seinen nougatfarbenen Augen und seinem dunkelbraun-schwarzen Dreitagebart das Schnittprogramm (Netia) erklärt und dann immer eine Strähne seines wildfrech-langen Haars aus dem Gesicht streicht, will ich mein Studium abbrechen, nach Melbourne ziehen und die Monogamie zum Teufelswerk erklären :-D :-D :-D Und jetzt im Ernst: Er is halt einfach der Surferboy unter den Jungs da. Und er kennt die geheimsten Geheimlokale in Melbourne. Heut warn wir beim Thailänder, 9 Dollar 80 für en selbstzusammengestelltes Essen – war perfekt.
| Vorne links Patrick, dahinter Oliver, rechts Adrian (Christian fehlt leider) |
Alle zusammen in der Redaktion sind sehr sehr sehr nett, man hat mich herzlich empfangen, freut sich auf die Arbeit mit mir und sowas alles. Und dann ist da ja zum Glück diese Woche noch Robert. Er erklärt mir alle Internas der Hospitanten und auch das, was die „richtigen“ Redakteure nicht hören wollen ;-) Er ist glaub ich der offenste, hilfsbereiteste, netteste, herzlichste Mensch, den ich jemals kennengelernt hab. Robert ist dermaßen unkompliziert und angenehm. Unfassbar. Am Montag war ich denn dann auch dementsprechend glücklich als ich nach Hause kam. Sehr angenehmes Arbeitsklima denke ich mal und alles wirklich locker. Vor allem wissen alle, dass man zum Lernen hier ist, und dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist ;-) Aber Robert wird ne große Lücke hinterlassen. Ab nächster Woche muss ich die dann füllen. Wird nicht leicht werden… Aber gut. Ich kann ihn jederzeit anrufen, hat er gemeint, er bleibt noch 4 Wochen in Melbourne… Dienstags fang ich dann immer erst um 13 Uhr mittags an, dafür ist aber abends um 8 „Switch On“ – die Jugendsendung. Die war am Dienstag richtig cool. Robert und ich waren mit dabei in der Sendung (man ist als Hospitant eigentlich fast immer in der Sendung…) und wir haben diskutiert über die Initiative, die am Montag startete, „Netz gegen Nazis“, über den toten Typen von Gotthard (schweizer Band) und dann hab ich ganz alleine meinen Gigguide präsentiert. Und Christian, der hat dieses mal Switch On gemacht – wer was macht, rotiert immer – und Robert waren sich einig, dass ich ne angenehme Radiostimme hab und souverän alles gemeistert hab. Is doch mal en Lob, oder? :-) Danach waren wir drei dann auch noch was trinken. Das macht man in der Redaktion so, meinte Robert. Er selbst war am Wochenende auch mit der Redaktion auf dem Oktoberfest ;-) Christian hat sich dann verabschiedet und ich war mit Robert dann noch in ner Bar, die er durch Patrick kannte. War sehr idyllisch, mitten in der Stadt, Swanston Street, aber trotzdem draußen auf nem kleinen Balkon. Leider mussten wir uns den Balkon mit nem Typen teilen, der grad ne Asiatin angemacht (innerhalb von dreieinhalb Minuten dann auch widerlich abgeschleckt…) hat, sodass wir uns das Lachen nicht unbedingt verkneifen konnten… Aber gut, ich hatte auch schon nen Gin Tonic (den Christian bezahlt hat ;-) ) und nen Kir Royal für 14 Dollar. Proportional zum Preis muss man sich auch den Alkoholgehalt in den Getränken vorstellen… Ja, war aber lustig. Um 1 war ich zu Hause. Heimlaufen war auch nicht soooo schlimm…Bin ja schon groß ;-)
| Robert und ich im Cookies ;-) |
| rechts die kleinen Viereckteile, das sind die Balkone... |
| Swanston Street vom Balkon aus |
| Elizabeth Street bei Nacht...*haaaaaach* |
| GPO Einkaufszentrum, auch Elizabeth Street |
Und heute haben wir dann erst um 10 angefangen. Mittwochs is – laut Robert – der freieste Tag… Man macht was liegen bleibt und so. Jaaa, soweit das Arbeiten. Jetzt bin ich mal noch auf Donnerstag und Freitag gespannt. Jeden ersten Samstag im Monat muss ich übrigens auch arbeiten. Das ging jetzt zum Glück erst mal vorbei an mir, sodass ich am Wochenende vielleicht mit Robert nach St. Kilda fahren werde, um Pinguine anzuschauen :-) Da könnte ich dann endlich auch mal Sophie treffen (das Mädchen, das ich durch meine Obst-und-Gemüsetante kenne).
Das Gebäude von SBS find ich noch etwas verwirrend. Wie gesagt sind Hospitanten keine VIPs, sodass wir nur mit nem Besucherausweis an der Empfangsdame vorbeikommen. Aber ich hab durch meinen Nagellack ja schon nen Stein im Brett, bei der Guten ;-) Siehe Überschrift. Pink erobert halt die Welt – is so :-)
| In so nem Studio sitz ich tatsächlich und plaudere ;-) |
| Studio an Studio, den ganzen Gang entlang... |
| Teledubs - quasi, Räume zum Einsprechen |
So, kommen wir zum interaktiven Teil: SBS Radio sendet in 68 verschiedenen Sprachen. Wer sich intressiert, guckt am besten mal bei http://www.sbs.com.au/yourlanguage/german/ Da sind auch oft Podcasts (die ich schneiden und hochstellen werde :-) ) von Sendungen, in denen man mich auch sprechen hört...Wenn ihr außerdem Lust habt, dürft ihr mir en deutschen Songtitel sagen, den ich dann versuchen werde, in irgendner Sendung unterzubringen, weil Liedvorschläge gehen immer. Muss halt was Deutsches sein. Es gehen auch die Kastelruther Spatzen, Hauptsache Deutsch :-) Und montags is ne Talkbacksendung: Das heißt wenn ihr ernsthaft in der Sendung anrufen wollt, dann könnt ihr das tun, werdet von mir empfangen und dann ins Studio zum jeweiligen Moderator weitergeleitet :-) Aber wenns geht, ruft ihr nur an, wenn ihr auch was zu sagen habt, weil es kommt ziemlich scheiße, wenn ihr dann On Air seid und nur Kappes redet :-D Im Klartext: Nicht anrufen, bitte :-P
Mann mann mann. Sonst hab ich nix erlebt. Wetter wird grad wieder schlechter, heut wars mega beschissen und kalt, aber naja. Mental geht’s mir dafür grad umso besser.
Meine Familie seh ich durchs Arbeiten natürlich jetzt nicht mehr sehr oft. Zum Abendessen kann ich kaum noch da sein und dann will ich ja auch eigentlich öfter mal weggehn… Naja, wird sich alles zeigen. Jetzt bin ich erst mal froh, dass die ersten drei Tage so waren, wie sie waren und dass alle sehr nett und offen zu mir sind. Bericht der nächsten beiden Tage folgt :-)
Hoffe ihr seid alle fröhlich und munter, ich hoffe meine Studis haben ihre erste Vorlesungswoche gut angefangen (obwohl: Fangen GERM und MEWI nicht beide immer erst in der zweiten Woche an???), von allen anderen hoffe ich, das Studium an deren Ort hat gut begonnen, denjenigen, die im Ausland sind, schicke ich einen warmen gedanklichen Gruß, denjenigen, die arbeiten, sage ich, seid froh, dass ihr bezahlt werdet, von Otto hoffe ich, dass er seinen Kinderlein nicht in der Art und Weise Latein beibringt wie mir anno dazumals, meiner Mama wünsche ich heut Mittag fröhliches Postaustragen, meiner Oma erklärt bitte bald jemand wie der CD-Player geht, sodass sie meine MicroEuropa Sendung hören kann und derjenige, der sich unter keiner dieser Gruppen wiederfindet, verzeiht mir hoffentlich…
Und für besondere Nudeln (! :-D ) kommt hier noch ein kurzes Update: Im Moment sind 9 Stunden Zeitverschiebung nach vorne bei mir. Also: Wenn ich JETZT diesen Post bei mir um halb 11 Uhr abends online stelle ist bei euch halb 2 Uhr nachmittags. Wenn ihr dann am 31. Oktober auf Winterzeit umstellt, sinds 10 Stunden. Wer also Bock auf mich hat, ruft mich am besten gegen Mittag an, da entspann ich dann grad abends in meinem Zimmer, wenn ich nicht schon schlaf ;-)
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