Donnerstag, 31. März 2011

Keep on breathing



In zehn Jahren gibt es in meiner Wohnung einen Käseschaber. Und Fußbodenheizung. Auf diese Weise muss ich beim Käsebrotmachen nicht immer einen Fuß auf den anderen stellen, um wenigstens 50% meiner Fortbewegungsgliedmaßen vor Eiseskälte zu bewahren. Ich arbeite in einem physiognomisch beeindruckenden Spiegelreflexkomplex. Links des Eingangs steht vielleicht ein Modell einer venezianischen Gondel, die mich an Urlaube in meiner Kindheit, meine Heimat Europa und meine diversen Konten in der Schweiz erinnert. Ich schlafe in lavendelfarbener Seide mit champagnerfarbenem Spitzenbesatz und Süßwasserperlenkette. Vor der nächtlichen Strangulation mit eben dieser bewahrt mich mein Toyboy. Ich bin niemals zu Kontaktlinsen übergegangen. Die Brille als Accessoire. Endlich spreche ich fließend Französisch. Und Italienisch. Die Modesprachen. In meinem Kleiderschrank hängt das Tutukleid mit marineblau-gestreiftem Oberteil, von dem ich träume. Außerdem habe ich wieder ein Weihnachtskleid. Das Rauchen spare ich mir noch immer für meinen ersten Besuch auf Kuba auf. Dann aber Zigarre. Ich habe einen Induktionsherd. Und eine Kochinsel. Sollte ich mir zu diesem Zeitpunkt die Haare färben müssen, es wäre ein kastanienrot schimmerndes Braun, was nur mein schwuler Friseur meines Vertrauens, der am vorderen Hals tätowiert ist, alle vier Wochen erneuern darf… 


 
Tagträume olé. 

Was schwachsinnig klingen mag, bedeutet mir viel. Vielleicht will ich in zwei Wochen nicht mehr alles davon umsetzen und vielleicht modifiziere ich alles morgen früh um 11.30 Uhr, oder um 15.10 Uhr – Zeit genug habe ich ja. Worum es geht, ist, dass mir mit all meiner Zeit hier, die ich verstärkt anfange, zu reflektieren, klar wird, was mir wichtig ist, im Leben. Die Tagträume, die das beinhalten, mögen zu viel Materielles enthalten, aber seien wir ehrlich: Wer von uns definiert sich nicht – zumindest stückweise – über materielle Dinge? Schimpft mich oberflächlich, c´est la vie. 


Andererseits mag ich den Gedanken, alles was irgendwann in meinem Leben neu sein wird, weit von mir wegzuschieben und mich auf die bekannten Dinge zu freuen, die ich schmerzlich vermisse:

Ein klavierklimpernder Bruder, der bevorzugt dann klimpert, wenn ich fern sehen will. Ein Geschirrspülmaschinenausräumpoltermonster, das genau dann von Dr. Mama zu Mr. Hyde wird, wenn ich ausschlafen will. Mein rosafarbenes Plisseekleid. Meinen begehbaren Schrank ohne Licht. Mein blutrotes Eisenbett, in dem ich bei Vollmond vampirähnlich angestrahlt werde und mir mindestens sieben mal im Monat den Kopf anhaue und bei dem ich die unteren beiden Eisenkugeln MIT Stift herausnehmen, statt herausdrehen kann. Den Kirschblütenbaum vor meinem Fenster. Der Schminktisch alias Nähmaschine. Ein dickes schwarzes beißendes Etwas, das sich Kater schimpft. Die Tagesthemen. Claus-Erich Boetzkes. Mandelbrot. Der Käseladen in der Neckargasse, neben einem bedeutungsschwangeren Eiscafé, an einer erinnerungsüberladenen Kopfsteinpflasterstraße. Wegbier (alternativ für mich Weg-irgendwas-mit-Schnaps). Sarotti Rum-Traube-Nuss. Ziegenkäse. Roter Nagellack. Meinen Leopardenschal. Die Rheinpfalz. Mein einzig wahrer Toupierkamm. Gerolsteiner Naturell. Der eine knackende Stuhl in der Küche, bei dem der grüne Kissenbezug katzenkrallengeschädigt ist. Das „Auf-die-Arbeitsplatte-in-der-Küche-setzen-wenn-meine-Mama-kocht-sodass-sie-schon-genau-weiß-dass-etwas-mit-mir-nicht-stimmt“. Kiefern, Ahorn- und Kastanienbäume. Einen Bürgersteig. Weißen Spargel. Mülltüten. Tempo Box. Einen Sessel in einer Altstadtwohnung mit Blick auf ein Tomteposter und die eine einzig wahre Batiktasche. Schwarzbrot. Appenzeller. Exzessiver Teebaumölverbrauch. Griechischer Salat. Haare flechten. Die „eigentlich-gehört-sie-Mama-und-die-hat-sie-von-ihrer-Schwester-aber-jetzt-gehört-sie-mir-Ledertasche“. Ein Pediküreset. Sonntägliche Mittag-bis-Abendessen. Buttergemüse. Braune Strumpfhosen. Weiße Spitzenvorhänge. Fredsessel. Eine Auswahl an Verdauungsschnäpsen. Extra-Brut-Sekt – aber nur mit meiner Mama. Mit allen anderen vielleicht ein etwas lieblicherer Rosé. Die Büroschublade. Eine Mooswiese. Sofadecken. Krümeltorte. Brillenträger.
Kayleigh und Lavender. Wangenknochen. Briefkasten-wo-kein-Briefkasten-mehr-ist-Treffen. Bacardi Razz und Masseweck. H&M. Fachwerkhäuser. Boxsackkonversationen. Schwarze Stulpen. Die lila Blumentischdecke meiner Oma. Ketten. Wollsocken. Spätzle.

Übertriebenes Hängen an einem Zuhause, das ich sowieso bereits verlassen habe? Vielmehr ein liebevolles Erinnern an Dinge, die ich niemals vergessen werde, egal wie lange ich, wo auch immer auf der Welt sein mag. 

Im Zoo zum Beispiel...
















Oder Schlittschuh laufen in den Docklands...



Oder im Melbourne Museum...




Oder beim Australian Football im Melbourne Cricket Ground, Geelong gegen St. Kilda...










Überhaupt in Melbourne. Oder in Sydney. Oder in London. Oder Paris. Mailand. New York. Moskau. Kuala Lumpur. Kapstadt. Mexico City. 
Heimat ist eines der Worte, weswegen die Semantik erfunden werden musste. Komplex. Manche wissen nichts davon, andere wollen nichts davon wissen. Lange habe ich mich für meine Verbundenheit mit meiner Heimat rechtfertigen wollen. Weil es klingt, als ob ich unfähig wäre, mich abzunabeln.
Heute weiß ich, dass es darum nicht geht. Heimat ist für mich nicht unbedingt ein Dorf, sondern ein bestimmtes Haus in einem Dorf, in dem Menschen leben und ein- und ausgehen, die mir das Gefühl einer bedingungslosen Akzeptanz meiner Person geben. Das macht es zur Heimat. Im Umkehrschluss kann ich mir deshalb – wenn ich will – überall auf der Welt eine neue Heimat aufbauen. Daran glaube ich zumindest. Es muss nur Menschen dafür geben, die mit mir gemeinsam diesen Weg gehen und gehen wollen. Der schwierige Teil ist, solche Menschen zu finden. Das ist der Teil, der Heimweh wachsen lässt, der uns aufgeben lässt, der schmerzhafte Sehnsucht nach den Menschen, die die Bedingungslosigkeit schon leben, verursacht. Dann entscheiden wir, ob wir weitermachen oder uns der Geborgenheit der existierenden Heimat hingeben.
Für mich existiert Hauenstein. Und Tübingen lohnt sich für mich. Dort will ich nicht aufgeben, sondern weitermachen, weitergehen und darauf vertrauen, dass die Menschen, die mir wichtig sind, den Weg mit mir wagen wollen. Allein deshalb, weil es meine erste eigene Entscheidung in eine Richtung einer eigenen Heimat war. „Wenn ich nicht zu Hause bin, bin ich zu Hause.“

Und Melbourne? Diese Stadt, dieses Kapitel in meiner kleinen Geschichte macht mich erst dazu fähig, all das zu erkennen und bestärkt mich darin ruhig auch mal nach größeren Sternen zu greifen. 
Das Kapitel mag zu Ende sein. Die Geschichte beginnt.

Sonntag, 20. März 2011

Berg und Tal, Motiv und Phlegma, Himmel und Sand

Höchst offiziell nichts zu tun zu haben, ist das zweischneidigste Schwert ever. Vor allem wenn alle andern was zu tun haben, arbeiten, gerade angekommen sind und sich einleben, versuchen, Fuß zu fassen. Ich dagegen bin mit 2 von 4 Gedankensträngen schon in Deutschland. Mit den verbleibenden zweien versuch ich schlicht und ergreifend noch ne gute Zeit hier zu haben. Und mit 21 kann man auch mal über die Stränge schlagen, find ich... ;-)

Die goldene Seite der Medaille heißt also Freiheit, tun und lassen zu können, was immer ich will. Gutes Gefühl. Die größte Verpflichtung, die entsteht, ist die, sich mit irgendjemandem irgendwo zu treffen. Eine meiner leichtesten Übungen quasi, since ich die "deutsche Pünktlichkeit" wohl niemals ablegen werde :-D Meinen Tagesablauf gibt es nicht wirklich. Wenn ich mal vor 12 aufstehe (und ja, das kommt vor :-D), dann ess ich was und überleg mir, was mit meinem Tag passiert. Irgendwie spannend, das nich vorher zu wissen. Wenn ich motiviert bin, seh ichs als Abenteuer und es kommen nette Dinge dabei raus, die ich - wie im letzten Post ja gesagt - schon immer mal machen wollte, wie z.B. mit der Fähre nach Williamstown zu fahren, die versteckten Arkaden und Lanes Melbournes abzuklappern, mich in ein gemütliches Teahouse zu setzen und bei einem Cha Cha Chai Tea (der heißt da im Ernst so) kürzlich das letzte Kapitel meines "Walther von der Vogelweide und die Literaturtheorie" (ich bin so verliebt in die Dekonstruktion...) beendet zu haben, auf Märkten Obst und Gemüse zu kaufen, auf denen ich noch nie war (und so auch nochmal Gegenden der Stadt kennenlern, die ich noch nie gesehn hab), im ACMI Kino - von dem ich mir in den acht Wochen SBS jeden Tag geschworen hab, wenigstens ein EINZIGES mal DA einen Film zu sehen - einen Film zu sehen (es wurde übrigens "Catwalk" gezeigt und seitdem wünsch ich mir nicht mehr den Mund von Steven Tyler, sondern den von Christy Turlington) und jetzt is mein Satz so lang, dass ich selber den Überblick verloren hab, ob er grammatisch noch korrekt ist, was ich aber an diesem Wochenende damit entschuldigen kann, dass ich vööööllig am Ende bin, weil mich ein gewisser P. Kalkbrenner bisschen geflasht hat...

Quintessenz is aber: Wenn ich motiviert und gut drauf bin, genieß ich meine letzten Wochen hier. Dann freu ich mich meines Lebens, mit süßen 21 nichtsnützig in ner geilen Millionenstadt am andern Ende der Welt zu leben und gut klarzukommen, unglaublich tolle Menschen kennengelernt zu haben und das Gefühl zu genießen, dass das Leben eine gute Sache is.

Wenn ich aber schon morgens hör, dass der Herbst beginnt (was mich weitere male daran erinnert, dass ich so gern meinen braunen Cordrock dabei hätte :-( ), was sich in beschissenem Dauer-Drizzle äußert, dann fährt meine Achterbahn mit rasanter Geschwindigkeit in den Keller, ich seh mich fast mit einem Bein schon beim Singapore Airlines Office auf der Collins St stehen und nochmal umbuchen. Aber mein Depriphlegma hält mich davon ab, auch nur einen Fuß vor die Haustür zu setzen. Es is dann zugegebenermaßen seltsam, wenn ich Helen gestehen muss, dass ich ihr nicht sagen kann, obs kalt is, weil ich das Haus noch nicht verlassen hab... Aber dann denk ich mir wieder, Luiiiiise, leg dich ins Bett, schau dir James Franco in Milk an (da hat er übrigens nen lächerlichen Minipli, aber alles is besser als die Schwulenaufmachung von 127 Hours... Okay, der war jetzt irgendwie ironisch, in Milk sieht er nich mal halb so schwul aus, spielt aber nen Schwulen... oh GOTT, ich hab ZU VIEL ZEIT! :-D) und forder Melbourne dazu raus, dir den Komfort eines Lebensorts zu geben, in dem man machen kann, wonach man sich fühlt: Nach extrem-gammling :-)

Aber eigentlich hab ich ja wenig Text und viele Bilder versprochen. Aber Bilder ohne Text find ich irgendwie langweilig, deshalb wollt ich schon auch schreiben wies mir so geht. Is jetzt halt wieder länger geworden, aber hey, "Frau Wolf-Nitsche, kann ich noch..." - irgendwie krieg ich das nich weg, das is Teil meiner Persönlichkeit ;-)

Bilder, okeeee, mal sehn. Da picken wir doch mal die Highlights raus, ne?!
Mit der Fähre nach Williamstown zu fahren, hat mich extrem ans Allein-Reisen im Dezember erinnert, weil ich am laufenden Band irgendwelche Touris fragen musste, ob sie n Bild von mir machen, oder Selbstportraits machen musste. Entsprechend sehen die Bilder aus... Williamstown sagt euch wahrscheinlich wenig, und wers genau wissen will, googlet am besten wos liegt, aber ich fands fasziniernd, plötzlich auf der anderen Seite zu sein. Auf einmal liegt die Stadt im Rücken und man sieht die Skyline am Horizont, is aber trotzdem IN einem Stadtteil... Klingt langweilig, is es aber nicht :-) Vor allem hab ich mich gefreut, keinerlei Beschwerden in Richtung weihnachtliche Segelerlebnisse in Cairns gespürt zu haben :-) Fische mussten hungern :-D
Williamstown an sich is lahm... Strand is dreckig, die Familien eingebildet, weil ja nur die Bonzen da wohnen, aber was solls, Fährenfahrt war gut und die Blumen im Botanischen Garten warn hübsch, ich geb Pessi-Lu keine Chance mehr, die Alte hat verlorn :-D









Ich hab sie NICHT abgerissen, obwohl ich in
größter Versuchung war :-D





Als ich zurückkam, am Abend, bin ich noch übers



geschlendert. Nix als n großer Jahrmarkt. Hab mir nen Skateboardcontest angeschaut, mit dem Gedanken gespielt, meinem Bruder einen Spongebob zu gewinnen (was ich aber in Anbetracht meines ohnehin schon Übergepäcks wieder verworfen hab...), ne Wasserskishow angeschaut und dann bin ich nach Haus. Irgendwie kann ich mich gut allein beschäftigen ;-)






Am letzten Wochenende hat Marcus dann dieses schnieke Teil ausgeliehen:


In Melbourne war langes Wochenende, weil Montag Labour Day war. Die Herren Anwälte arbeiten da nicht ;-) Auf jeden Fall hat er mich gefragt, ob ich Samstag mit nach 


-Beach kommen will, und Sonntag ins Yarra Valley. Kurz hab ich mir überlegt, was Marcus verdienen muss... Dann hab ichs aber auch gleich wieder bleiben lassen, weils auf jeden Fall genug sein wird ;-) und hab mich einfach gefreut, dass er gefragt hat. Samstagmorgen sind wir also zusammen zum Avis-Dingsbums, ham das Auto ausgeliehen, nen kurzen Stopp in St. Kilda in seiner Wohnung gemacht, um sein Surfbrett einzupacken und dann gings los. Außerdem waren noch André aus der Schweiz und Stefan (den ich nich weiter kenne) mit dabei. Marcus hat sich wien kleines Kind in den Wellen ausgetobt, André und Stefan haben die Riege der Strandbiertrinker würdig vertreten und ich hab gelesen. Und wurde von Sandfliegen gestochen... Von VIELEN Sandfliegen. Egal, war relaxed. Musste mich zwar gegen zwei über 30-Jährige Männer wehren, die mich ins Wasser schmeißen wollten, aber kratzen, beißen, spucken, konnte ich ja schon immer vorbildlich :-D







Sonntag haben wir dann DEN Sonntagsausflug schlechthin gemacht :-) Irgendwann hab ich mich gefragt, ob es Leute gibt, die - wie ich das mache - sich bei andern Leuten, oder Grüppchen, überlegen, wie deren Lebensgeschichte aussieht und wenn es die gibt, was sie denken, wenn sie Marcus, André und mich gesehn haben, die einen klassischen Familiensonntagsausflug machen. Meine Lieblingsvariante war folgende: Ich - das Mädchen - bin am Wochenende immer mit meinem Vater zusammen und mach heute nen Ausflug mit ihm und seinem neuen schwulen Freund. Mein Vater hat nach 20 Jahren Beziehung zu meiner Mum festgestellt, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt. Erst wars ein großer Schock, ich wollte lange nichts mit ihm zu tun haben. Aber jetzt gehts wieder, ich akzeptiere ihn wieder als meine Vaterfigur, und zu meinem Geburtstag letzte Woche hab ich mir gewünscht, einen Ausflug zu machen, wie eine "echte Familie". Kind mit 2 Vätern. Solls heute ja geben. So ähnlich hab ich mich in der Tat auch gefühlt. Marcus und André sind zwar definitiv nicht schwul, aber ich wurde mehrmals am Tag belehrt, musste mir Witzchen auf meine Kosten anhörn, wurde an den Füßen gekitzelt, nur weil ich wie alle andern Kinder auch die Beine zum Fenster rausstrecken wollte und im Moment als ich diesen Satz schreibe, wird mir klar: Ich hab ja noch gar nicht gesagt wo wir waren, also könnt ihr gar nicht wissen, wo ich meine Füße rausstrecken wollte :-D Wir sind in die Dandenongs gefahren und haben dort eine Fahrt mit der historischen Dampflock Puffing Billy gemacht. Wenn man im Zug sitzt, sind die Fenster offen und man darf sich auf die Kante setzen und die Füße rausbaumeln lassen. So ungefähr:


War lustig. Ich weiß, meine Geschichte klingt abstrus, aber ich denk mir immer zu allen Menschen im Zug oder in der Straßenbahn Geschichten aus. Und die wär eben meine Variante gewesen, wenn ich uns gesehn hätte :-D





Um genau zu sein, sind wir von

nach


gefahren und ich als kindisches Mädchen fands schööööön :-) Und das Wetter war gut. Leider nur am Anfang. Am Ende wars massiv beschissen...






Danach sind wir ziemlich idyllisch durch Nationalparks in Richtung Yarra Valley gefahren, haben dort gegessen und sind dann gemütlich zurück nach Haus nach Melbourne.

Und ab da konnt ich dann schon nicht mehr schlafen, weil am Dienstag ja meine erste richtige Modenschau war. Lack of words, um auszudrücken, wie das für mich war. Es kann wahrscheinlich nicht jeder nachvollziehen, deswegen spar ich mir die Ausführungen. Ist mir zu wichtig, als dass ich meine größte Leidenschaft nackig mach... Das Gefühl, was diese Fashion Show in mir ausgelöst hat, was Mode in mir auslöst, was Menschen in mir auslösen, die mit Stil geboren zu sein scheinen - das alles bleibt bei mir. Der Blog an sich is sowieso schon ein verwundbar-machendes Nach-Außen-Kehren meines tiefsten Innersten. Aber Mode is kritisch. Und ich lass mir die Liebe dazu nicht kaputt machen. Nur so viel: Ich wurde fotografiert. Von Fotografen, die wahrscheinlich einfach alles  und jeden fotografiern, weil sie nich wissen, wer ein wichtiger Modemensch ist und wer nicht. Trotzdem is es Fakt. Ich wurde fotografiert. Und ich hab die Kollektion des Labels gesehn, das den Melbourne Fashion Preis gewonnen hat: Song for the mute. Achso, und ich fand, ich sah gut aus ;-)

Was ich nicht wusste, war, dass bei der Hauptlocation dieses Festivals (wo auch die Modenschau war) der L´Oréal Powder Room ist, in dem man sich ein kostenloses Styling verpassen lassen kann. Später in der Woche wollt ich diesen Spaß mal ausprobiern. Das kam dabei raus:


Hat was, aber trotzdem war ich froh, dass ich es nicht in die Hände der L´Oréal Tussen gelegt hab, mich dienstags stylen zu lassen. Mein eigenes Make Up sah besser aus. Ach ja, übrigens: Ich hab meine Lederjacke gekauft ;-)

Freitag war dann das Kalkbrenner-Highlight, das mich bisschen aus den Latschen gehauen hat. Auch an diesem Abend fand ich mein Make Up besser, als das von L´Oréal. Gut, nach 2 Minuten hats eh keinen mehr intressiert, weil ich derart geschwitzt hab vom Tanzen, dass ich sogar meinen Schal ablegen musste :-D Ich wasche diesen Schal übrigens auch ;-) Ich weiß, ich hab ihn dauernd an, auf fast jedem Bild. Aber Leute!!! Es is Herbst hier und ich hab nur EINEN Schal dabei. Was meint ihr, warum ich meinen fetten Schalkorb von zu Haus so vermisse...
Kalkbrenner also. Der Witz is ja: Ich hab ihn kein einziges mal selber gesehn. So schon gar nicht, weil ich schlicht zu klein bin und den ganzen Abend wieder nur schwitzende Schultern um mich rum hatte. Als mich Marcus hochheben wollte, hab ich Paule auch nich gesehn, weil ich offensichtlich zu schwer für Marcus war... Auf der Treppe hab ich ihn auch nich gesehn, weil n Pfosten vorm DJ-Pult war und mich ganz nach oben zu quetschen - das war mir ein Glatzkopf, der ein paar Turntables bedient, nich wert. Es war für mich quasi so, als ob ich weiß, jaaa, heute legt Kalki höchstpersönlich auf. Aber wäre ich paranoid, hätte ich mich den ganzen Abend fragen können, ob die Leute das nur sagen und ob nich doch nur irgendeiner vorne steht und nur Kalkbrenners Lieder spielt. Anyway, es war geil. Party is, was im Kopf passiert und der war zu 3/4 voll mit Vodka Tonic. Im anderen Viertel war nur Bass. Also hab ich getanzt. Und zwar so, dass ich an den Punkt kam, an dem ich mich nicht mal mehr gefragt hab, wie gestört mein Gehüpfe aussieht. Wenn ich hüpfe - nur für diejenigen, die noch nie mit mir tanzen waren - dann is eigentlich Ende der Fahnenstange. Da bin ich entweder SO betrunken, dass ichs nich mehr raff oder es is mir alles egal oder ich bin aggressiv. Oder alles zusammen. An diesem Abend war bisschen von allem, zugegeben... ABER: Leo (aus Jena) meinte, dass ich  gut tanze und ich darf doch sehr bitten, der Typ is DJ (bzw war DJ) und als DJ muss man zwangsläufig viele Menschen beim Tanzen sehn. Ich bild mir also was drauf ein :-D
In Leos Wohnung haben wir auch "vorgeglüht". Aber ich hab nix mitgebracht. Hab mich ganz dreist durchgeschnorrt :-D Gegen 10, halb 11 sind wir dann los und jetzt kommt noch das Highlight des Abends: Auf meinen Namen waren die Tickets von Marcus, Thilo, Vera und Veronika ausgestellt (ohne mich kamen die also nich rein :-P) und während alle andern (Karen, Annabel, Leo) ihre Ausweise zeigen mussten, sah ich anscheinend so autoritär aus, dass man uns einfach so reingelassen hat. Gut, vielleicht lags auch an Marcus, den man nun ja schwer unter 18 einschätzen kann, aber ich find die Variante mit meiner eigenen Ausstrahlung besser :-)
Eigentlich wollt ich mir dann mit Thilo, Vera und Veronika n Taxi nach Hause teilen. Dann haben wir uns aber verloren. Die drei fandens nich so berauschend und sind dann ohne mich heim. KURZ war ich beleidigt, aber dann verständnisvoll. Hätts vielleicht nich anders gemacht?! Trotzdem stand ich dann da. Marcus konnte sich tausend Taxis nach Haus leisten, Annabel und Karen konnten laufen (sind auch relativ bald gegangen) aber ich? a) wollt ich noch nich gehn ("Nein, Mann..." - Dorfrunde, silberner A3 - Junge, keine Chance der Sache zu entgehen :-P) und b) je länger ich geblieben bin, desto kürzer war die Zeit, bis die erste Straßenbahn wieder fuhr und ich dem teuren Taxi entgehen konnte. Kalki hat um halb 4 aufgehört, hab dann also kurzentschlossen mit Leo noch bis halb 5 getanzt, dann warn wir noch bei McDonalds (also er, nicht ich, man kennt ja meine Essgewohnheiten...) und dann hat er mir freundlicherweise eine Stunde lang Asyl auf seiner Couch in seiner Schnöselwohnung auf der Collins Street gegeben. Firma zahlt ;-) Um 5.55 Uhr hab ich die erste Straßenbahn nach Hause genommen (was ich auch schon immer mal machen wollte...), hatte den Abend meines Melbournelebens (mit ein paar menschlichen Entbehrungen... hab an euch gedacht :-) ) UND - jetzt kommt das Beste: Ich hab erlebt, dass es tatsächlich Menschen gibt, die morgens um 6 mit ihren Bollerwagen auf den Queen Victoria Market gehn, nur um das frischeste Kangaroo oder die hübschesten Tomaten einzukaufen. Sekundenbruchteile hab ich mir überlegt ob ich auch aussteigen und einkaufen gehn soll. Aber meine Füße taten weh. Außerdem hab ich gefroren. Schweißnasses Kleid + Haare, dann kalter Herbstwind und Luises Temperaturempfinden. ZU KALT also. Um kurz vor 7 mach ich die Haustür auf, Christine kommt mir aus ihrem Zimmer entgegen und alles was ihr einfällt ist: "Du bist schon wach?" - Ähm ja... Immernoch... STF UP - aber jetzt geh ich schlafen. Bis mittags um 3.
Warum erzähl ich das alles? Weil ich NULL Bilder gemacht hab :-D Ich wollte, ehrlich. Hab extra meine Kamera in meine kleine Tasche gestopft. Aber ich wollt auch den Moment genießen und tanzen. Alles was jetzt an Bildern kommt, haben also andre Leute gemacht.

Hinweg zu Leo in der Straßenbahn...


Bonzenaufzug zu seiner Bonzenstadtwohnung...

Kein gutes Bild, aber ich find es hat was...

Brown Alley, Underground Club, Corner King/Londsdale St


Mit Sky and Sand hat er natürlich die Location verlassen. Schlagartig wars leer und ich hatte Platz noch viel mehr zu hüpfen...Fatal aber lustig.

Was steht sonst so an? Nich viel. Zoo. Endlich ;-) Nächstes Wochenende vielleicht mit Helen (die übrigens grad schon wieder im Urlaub is, wir haben also sturmfrei...) zum Football, Geelong gegen St. Kilda - DAS Match. Die Woche mal sehn. Ich geh desöfteren mal mit Karen und Marcus lunchen. Ich verdräng dabei immer, dass ich keinen Businessjob hab, weil dann fühlt sichs für mich auch wie n ach-so-wichtiger-Businesslunch an :-D Aber Fakt is, dass ich mit den beiden zusammen quasi sowas wie der Hartz IV Typ bin...
Egal, ansonsten muss ich shoppen gehn. Und zwar ins Chadstone Shopping Centre - das größte Shopping Centre auf der südlichen Hemisphäre. Hab auf der Fashion Show Gutscheine gekriegt für einige Shops da. Ich bin schon ganz aufgeregt :-D
Am Dienstag wollen wir Eis laufen. Dies und das halt, ich wiederhol mich wahrscheinlich schon ;-)
Ich meld mich also wieder, um meine unnützen Tage hier zu präsentiern :-P Vielleicht wirds das nächste mal ja dann weniger Text ;-) Vielleicht wird das nächste mal sogar das letzte mal???

3 Wochen left.
Luise