Dienstag, 28. Dezember 2010

Queensland - The Tropical North - Cairns

Sie verließ Cairns mit einer innigen Hassliebe. Wie konnte eine so schöne Stadt so hässliche Erinnerungen in ihr verursachen? Und dabei begann alles so idyllisch…

Ben stand noch immer in der Tür. „I´ll just pop down to get ya some sheets.“ Luise war dankbar. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass es überall zum Hostelservice gehörte abends um halb 9 vom Flughafen abgeholt zu werden. Dann begleitete man sie noch bis zu ihrem Zimmer, popte down, um ihr some sheets zu getten, nein es musste auch an ihrer Shorts und ihrer hilflose Kleinmädchenattitüde liegen, dass man ihr derart half…
Das Zimmer in Cairns war eines der saubersten, das sie so far gesehen hatte. Keine Spinnen, keine Spinnweben, kein Dreck auf dem Boden, dafür Kakerlaken. Aber gut, im immerfeuchten Klima, das hier nunmal herrscht, fühlen sich die Biester wohl… 
Immerfeucht war darüberhinaus das Stichwort, das ihren Aufenthalt in maßgeblicher Weise bestimmen sollte… Am Morgen des 23. begab sie sich – frisch geduscht und geföhnt, wovon letzteres in diesem Klima allerdings vollkommen unnötig war, denn nach 3 Minuten an der Luft, sahen die Haare sowieso wieder wie feucht aus, was Luise an eine gewisse Lisa erinnerte, deren dauernde Klagen über ihr lockiges Haar bei feuchtem Wetter an diesem Ort der Erde ihre Maxime gefunden hätten – zur Rezeption ihres Hostels und beratschlagte eine geschlagene Stunde mit Ryan, dessen Augen so türkis waren, wie die Postkarten das Meer in Cairns darstellen und dessen Wimpern Luise zu dem Verdacht verleiteten, dass er sie sich womöglich verlängern ließ, wie ihre nächsten Tage in Cairns aussehen sollten. Es gab viel in der Stadt zu entdecken, wozu sie niemanden bräuchte, Nachtmärkte, Shopping Centres, Kirchen, Strände, Kultur und jeden Abend an der Strandpromenade Musik und sowas… Das konnte Luise allein auschecken, dafür war sie alt genug...




Cairns Central Shopping Centre

Nightmarket

The Esplanade - Flaniermeile

Endergebnis Dauerregen: KEIN türkisblaues Meer

 
Also buchte Luise „nur“ 2 Touren: Eine zum Great Barrier Reef, was nun mal eben sein musste, wenn man hier war und eine zu einer Krokodilfarm – womöglich gab es Weihnachtsrabatte auf Taschen…
Die Tour zum Reef konnte aufgrund des dazwischenkommenden Christmas Days nur am 24. Dezember stattfinden. An diesem Tag feiert man in Australien noch nicht. Man genießt nur den Christmas Eve. Der 25. ist das eigentliche Event, alle stehen früh morgens auf, um die Geschenke, die Santa über Nacht gebracht hat, auszupacken und dann den Tag zu verchillen. Der 24. war also noch möglich, der 25. nicht mehr, der 26. ist Boxing Day, an dem auch vieles geschlossen hat und am Montag würde sie Cairns schon wieder verlassen. Also der 24. Problem am 24 war nur eben das Wetter… Ryan wünschte ihr, dass sich der Regen verziehen würde. Seine Worte sollten unerhört bleiben…

Am Morgen des 24. erwachte Luise zum Geräusch prasselnden Regens. Sie schlüpfte ein weiteres mal in ihre inzwischen widerlich aussehenden schwarzen Flip Flops, die wahrscheinlich schon am 8. Januar den Weg in den Rubbish Bin finden würden und begab sich zum Fenster. Sie atmete – und riss den Vorhang auf. Schwarze Wolken. Regen. Sturmregen. Wind. Würde die Tour bei diesem Wetter überhaupt stattfinden? Sie würde. Nicht zuletzt musste sie es wenigstens herausfinden, denn immerhin hatte sie 135 Dollar dafür bezahlt. In ihrem neuen Kleid mit dem Ausschnitt ihres Lebens machte sie sich auf zum Reef Fleet Terminal, um einzuchecken. „Good morning little lady, how´s it going? You´re on for the tour on Ocean Free?”  Ein kleinlautes Ja die Antwort, ein schmetterndes “So – lovely weather, isn´t it?“ lautete die Response. Die Tour WÜRDE also stattfinden. Nun gut, warum nicht, es gäbe – auch auf einem Segelboot für 20 Leute – mit Sicherheit ein überdachtes Plätzchen. Außerdem hatte sie den Bikini unter dem Kleid und Kleider zum Wechseln dabei, ein bisschen nass werden war also durchaus drin. Mit Seekrankheit hatte sie auch noch nie Probleme gehabt. Tausende Schifffahrten lagen bereits hinter ihr… Aber diesmal sollte alles anders kommen. Captain Scotty sollte Recht behalten: Dieser Tag würde DEFINITIV der Tag werden, den sie niemals im Leben vergessen würde… 
Kaum hatte sich die Crew um Scotty vorgestellt, bestehend aus Cat und Matt, spürte Luise, dass sie sich nicht allzu well fühlte. Vielleicht lag es daran, dass sie noch nichts gegessen hatte an diesem Morgen – wie an jedem Morgen eben. Frühstück war für Weicheier, Luise frühstückte selten und wenn artete es zum Bruch aus. Sollte sie also besser einen der bereitstehenden Blue Berry Muffins essen? Oder würde der vielleicht alles schlimmer machen? Sie entschied sich FÜR das essen. Was konnte ein Muffin schon anrichten? Was hatte sie zu verlieren? Einiges – wurde ihr bald klar. Unter anderem ihre Würde und son Quatsch, worauf sie normalerweise großen Wert legte. Nach 30 Minuten auf dem Segelboot konnte sie den Horizont nicht mehr sehen. Die Wellen waren zu stark, die See zu rau, Wind und Regen zu heftig. Sie saß mit 19 anderen, von denen es einigen ebenfalls weniger gut ging, unter einem überdachten Plastiketwas, unter dem es viiiiiiiiiiiiiel zu feucht und sticky-warm war. Ihr würde übel. Todesmutig ging sie an die frische Luft. Es war ihr egal, vom Regen überschüttet zu werden. Nach 2 Minuten war ihr Kleid soaked wet. Es hatte doppeltes Gewicht. Aber die frische Meeresluft, die ihr um die Nase wehte, bewirkte Wunder. Ihr Magen beruhigte sich. Sie starrte auf einen Punkt am Horizont. Sie fand das Gleichgewicht wieder. „You´re doing allright?“ tönte die tiefe Stimme von Matt gegen ihr Ohr, der gerade dabei war, das Segel in eine andere Position zu bringen. „Yeah, quite…“ Plötzlich kam das Schweizer Mädchen an Deck. Sie rannte. Sie hielt sich die Hand vor den Mund, sie war kreidebleich. Als ob sie sich über Bord stürzen wollte, schmiss sie ihren Oberkörper über die Reling und übergab sich. Die Masse, die ihren Mund verließ, wurde vom Wind in alle möglichen Richtungen getragen und nahm dabei bizarre Formen an. Das Mädchen lächelte. „Jetzt is es besser“ strahlte sie Luise an und konnte ihren Schweizer Akzent dabei nicht verstecken. Luise wollte nicht. Sie wollte nicht brechen müssen. Nicht auf dieser Tour, nicht in diesem Kleid, nicht wenn niemand dabei ist, der ihr die Haare hält. In einem unbändigen Vertrauen auf ihre Disziplin, den Horizont zu fixieren, egal wie nass sie dabei werden würde, hielt sie sich weiter an der Reling fest. Das Boot schlug hart auf die Wellen auf. Es senkte sich nach links und rechts, je nach dem, wie der Wind gerade entschieden hatte. 
Zu viel. Auf einmal war es zu viel. Sie schloss die Augen, weil sie spürte, welchen weg der Muffin zu nehmen begann. Weniger schwungvoll, aber mit Sicherheit nicht weniger widerlich anzusehen, tat sie es dem Schweizer Mädchen gleich: Oberkörper über die Reling und nach 2 oder 3 Sekunden spürte sie klebrige Blue Berry Stücke zwischen den Fingen und schleimige Brühe an ihrer Wange. Cat war zur Stelle. „There you go, some napkins and a glass of water?“ Ein ersticktes “Yes please.” Für den Moment fühlte sie sich tatsächlich besser. Sie wischte sich sauber, ihre Haare waren eh nicht mehr zu retten, also vermied sie es nicht, sich mit den unsauberen Fingern hindurch zu fahren, um sich wenigstens das Gefühl zu geben, nicht nichts für ihr Aussehen getan zu haben. 

Irgendwann waren sie endlich bei Green Island angekommen. Die Schnorchelarie sollte beginnen. Luise fühlte sich tatsächlich ein bisschen fitter, also wagte sie es nach unten ins Boot zu gehen um ihren Schmuck fürs Schnorcheln abzulegen. Schlechteste Idee ever, denn nachdem sie den Kopf wieder die Leiter hinauf streckte, leiteten sie ihre Füße direkt wieder zur Reling. Diesmal linke Seite, steuerbord oder backbord – no idea. Irgendwie kannte sie den Prozess jetzt schon. Sie fühlte die spiralenartigen Bewegungen, die die im Prozess des Verdauens steckende Masse in ihrem Inneren zu nehmen begann. Dieses mal sah und spürte sie Stücke von Reis vom Sushi am Tag zuvor ihre rechte Hand hinunterlaufen. Eine nasse Haarsträhne klebte über ihrer Nase. Von links wurden ihr Napkins und Wasser gereicht. „Sweety, get yourself INTO the water. You´ll see, you will be fine then.“ Sollte das ein Scherz sein? JETZT? Sollte sie auch noch schnorcheln gehen? Captain Scotty nahm die Sache in die Hand: Sie würde es bereuen, wenn sie es nicht tun würde. Sie sieht das Reef vielleicht nur einmal im Leben. Und Cat hätte Recht: Im Wasser sei es wärmer und ruhiger als auf dem Boot. „So get yourself undressed, baby.“ Der Klang seiner schmetterenden Worte verflüchtigte sich. Er spuckte in ihre Taucherbrille, wusch sie mit Frischwasser aus, zog sie ihr mit seinen rauen Segelhänden über den Kopf, zurrte sie eng, strich ihr mit der Kraft eines Mannes, der Segel bei Windstärke Eine-Million einholen konnte, die nassen Haare aus dem Gesicht, und stürzte sie ins Wasser. Jetzt war es auch egal. Sie dachte nicht mal mehr darüber nach, wer den Schnorchel vorher im Mund gehabt hätte, der sich womöglich ebenfalls zuvor übergeben hatte. Sie streckte den Kopf ins Wasser und für den Bruchteil einer Minute vergaß sie sogar den ekelhaften Geschmack, den sie im Mund hatte. Die Farben der Korallen und Fische waren vielleicht nicht die eines sonnigen Tages, aber sie waren dennoch die Great Barrier Reefs. Unbeschreiblich schön. Fische schlängelten sich um ihre Füße, die Algen und Korallen wiegten sich in den sanften Bewegungen des Wassers, sogar ein Hai huschte im Augenwinkel an ihr vorbei. Der Schweizer Junge, der mit dem Schweizer Mädchen da war, sollte ihn sogar fotografieren… Zurück an Bord gab es Lunch. Nicht für Luise, denn der Muffin hatte sie einiges gelehrt. Nach eineinhalb Stunden auf Green Island wollte sie dann aber trotzdem nur noch nach Hause. Sie hatte auf der Insel ein bisschen Kraft getankt. Fester Boden unter den Füßen. Eine Plauderei mit den Ashworthes, einem Ehepaar aus England. Sie kamen gut ins Gespräch und nach einer Weile luden sie die Ashworthes – Mike und Joann – für den nächsten Tag zu ihrem Christmas Lunch ein. Vielleicht hatten sie nur Mitleid mit einem armen seekranken Mädchen, das an Weihnachten weit weg von zu Hause ist, aber was sollte es? Die beiden waren nett, warum die Einladung also ausschlagen? 
Der schlimmste Teil des Tages sollte allerdings noch bevorstehen: Die Heimfahrt. Inzwischen hatte Scotty die Wettermeldungen gecheckt: Windstärke 11, raue See, Dauerregen, heftig, alles was auf See war, sollte sich vielleicht besser auf die Heimreise machen. Luise wurden Sea Sickness Tabletten verabreicht. Sie sollten den Platz IN ihrem Magen aber nicht halten können. Nach exakt 26 Minuten (was gelogen ist, weil sie niemals wieder den aweful Weg ins Schiffsinnere wagen wollte und damit auch nicht wusste wie viel Uhr es ist) hatte sie nun sogar (wenigstens wie alle anderen auch, was ein kleiner relief war) IM überdachten Bereich des Bootes schon wieder soaked wet Kleider an (die sie auf der Insel angezogen hatte) und fühlte wie sich alles um sie herum drehte. Das Segelboot segelte inzwischen in Querlage. Sie selbst saß auf der Seite, an der alle die Füße gegen den Tisch in der Mitte stützen sollten, um nicht vornüber zu kippen. Diejenigen auf der anderen Seite erlebten mit jeder Welle einen neuen Wasserfall am Hintern… Die Schwangerschaftsposition ihrer eigenen Seite jedoch machte das Horizont fixieren wieder mal unmöglich, vor allem auch deshalb weil im jetzigen Sturm GAR kein Horizont mehr da war.
Sie konnte nicht aufstehen. Mit einer heftigen Handbewegung wollte sie nach dem Mülleimer greifen, aber die Zeit in der sie ihre Füße vom Tisch nahm, kam ihr in Quere. Mit der Hand fing sie auf, was noch aufzufangen war. Blitzartig holte der rothaarige Schotte, der wahrscheinlich auch Angst um seine Beine hatte, den Rubbish Bin her, stellte ihn zwischen Luises Füße, drückte sie mit der Hand an den Schultern zurück, sodass sie nicht mit der Stirn gegen den Tisch donnern würde. Cat drückte ihr den Kopf sanft in Richtung des Eimers. Mit der anderen Hand spürte sie einen Streichler des Schweizers über ihren Rücken. Äpfel, Müsliriegel, Brot, Sonnenblumenkerne, Chicken- Avocado- Sandwichteile, weitere Reisteile, dunkelgrüne Stückchen des Materials, das um Sushi gewickelt ist. Das zumindest konnte sie nach dem fünften Schwall, der sich den Weg durch Mund und Nase bahnte im Mülleimer vor ihr erkennen. Den Geruch sollte sie auch abends noch an ihr selbst riechen können. „Is that everything for the moment?“ Cat hatte schon wieder Napkins geholt. “Not sure,” presste sie hervor. Zum Glück WAR es everything. Die restlichen eineinhalb Stunden auf dem Segelboot wollte sie sterben. Nicht so wie beim Uluru. Jetzt wollte sie sterben, weil sie wusste, dass dann der Schmerz weggeht. Sie dachte an nichts, bewegte sich nicht, hielt zitternd ihre Napkins vor den Mund und ihr Wasserglas in der Hand. Cat hatte eine Isolierdecke um sie herum gelegt… 

Irgendjemand holte ihre Tasche aus dem Schiffsinneren, als sie im Hafen angekommen ware. Sie nahm sie. Cat, Matt und Scotty standen vor dem Boot bereit. Sie zierten sich nicht, ihr die Hand zu drücken. „Madam, I am seriously proud of you. You´ve survived the Great Barrier Reef, you´ve not only experienced it.” Ja Scotty…so konnte man es auch sagen… “Sweetheart, there´s nothing to be embarrassed about and nothing to be sorry about.” Danke für die Napkins Cat… „Love, you definitely deserve a 10 for that one in the rubbish bin. I´m so glad you made it IN the bin.” Ja Danke auch Matt…wenigstens Kotzen konnte sie also erstklassig.

Die einzigen beiden Bilder...

...die an diesem Tag zustande kommen sollten...
 
13 Stunden Schlaf und ein noch immer wackliges Gefühl waren das Ergebnis ihrer Great Barrier Reef Tour. Am Morgen des 25. wachte sie auf und musste sich fast schon beeilen, um nicht zu spät zum Christmas Lunch bei den Ashworthes zu kommen. Beeilen ging aber irgendwie nicht. Ruhe und Frieden und keine schnellen Bewegungen bitte. Der Tag bei den Ashworthes war dann aber definitiv eine der besten Erfahrungen in ihrer ganzen Australienzeit. Mike und Jo kochten Beef mit King Prawns, Salat, Kräuterbrot, danach Lemon Tarte und Fruit Pies zum Desert. Ein bisschen Weihnachten sollte sie also doch noch erleben. Sie redeten über Gott und die Welt und vor allem über die Tour gestern. Auch Jo fühlte sich schlecht, aber wenigstens musste sie sich nicht übergeben. Mike fühlte mit mir. Und er verbot Jo im Laufe des Gesprächs weitere Botstouren auf ihrer Australienreise zu buhen. Er selbst sei kurz davor gewesen sich auch zu übergeben gab er zu… Ein 37jähriger gestandener Mann. Irgendwie beruhigte Luise das. Nach dem Essen luden sie Luise sogar noch zum Christmas Relaxing ein. Bei ihnen zu Hause macht man das immer so. Nach dem Essen gucken alle zusammen einen Film und chillen. Die Antwort lautete definitiv ja und so verbrachten die 3 einen gemütlichen Nachmittag mit einem Film für 19.95 Dollar vom Harbour Lights Hotel, das nebenbei ganz danach aussah, als ob Mike und Jo nicht wenig Geld verdienen. Immerhin war es ein Appartment Room mit eigener Küche. Noch dazu.

...irgendwie war an diesem Tag ziemlich schwer zu atmen...

Jo und Mike Ashworth
 
Schmerz musste mit Schmerz bekämpft werden. Luise sagte sich diese Worte vor wie ein Gebet. Immer wieder. Immer wieder. Als sie das Boot betrat, atmete sie kurz und schell. Ruhig bleiben. Das ganze war wie Muskelkater: Man musste trotzdem Treppen steigen, egal wie weh es tut. Sie würde nicht ihr Leben lang Angst vor Wasser und Schiffen haben wollen. Also war es mehr als angebracht die Selbstheilungskur zu starten. Sie hatte die Tour sowieso schon bezahlt, also wäre jegliches Davor-Drücken nur hinausgeworfenes Geld gewesen. Sie wurde begrüßt. „Welcome on board. The Crocodile Explorer Team is happy to have you here, please feel free to ge yourself some coffee and fresh fruit.“ Ein winziges Stückchen Ananas fand den Weg in ihren Magen, dann ging sie zu einem Platz an dem sie möglichst viel Horizont sehen konnte und betete. Wie besessen murmelte sie vor sich hin. Ruhig bleiben. Atmen. Sie musste an ihre Mutter denken. „Wenn du Angst davor hast, die Krankheit zu kriegen, dann kriegst du sie auch. Sei unbeschwert.“ Sie gab ihr bestes. Zumindest nieselte es heute nur und regnete nicht Sturm. Das Boot bahnte sich seinen Weg. Zum Glück nicht hinaus aufs freie Meer, sondern hinein in die tropischen Mangrovenwälder. Irgendwann war ihr klar, dass ihr nicht übel werden würde. An einem gewissen Punkt hatte sie es überstanden und sie wusste es. Ein spannendes Gefühl der Sicherheit. Plötzlich, als Captain Andrew am Uferrand auf ein freilebendes Krokodil zeigte, vergaß sie sogar, warum sie so vorsichtig war. Aufregung packte sie auf einmal. Jetzt erst wurde ihr bewusst, was sie heute machen würde. Krokodile angucken. RICHTIGE Krokodile. Keine Zookrokodile. Auf einer Farm. Ihr Gemüt lichtete sich. Wie ein kleines Mädchen bestaunte sie jetzt die faszinierende Schönheit der Mangroven, die matschüberzogenen Krokodile, die lustigen Vögel. Bald legten sie am Ufer der Farm an. Ein Bus holte sie ab. Aufgrund des Regens, der wieder stärker wurde, sollte die Tour IM Bus stattfinden. Schade, aber bei der gleichzeitig erhöhten Moskitogefahr war sie sich ohnehin nicht sicher, ob sie den Bus verlasse hätte wollen. Der Fahrer beantwortete geduldig all ihre Fragen: Die Krokodilhäute sind circa 28000 Dollar wert, die Krokodile werden mit einem Schuss in den Kopf getötet und dann gehäutet, die Häute werden getrocknet gesäubert und dann verkauft. Das Fleisch geht an Restaurants in ganz Australien. Die Krokodile werden aber nicht auf gut Glück. Vorher müssen sie bestellt sein. Ein Gucci-Männlein muss vorbeikommen, 40 Häute für 10 Taschen bestellen und DANN erst werden die Tiere getötet. Im Shritttempo bahnten sie sich ihren Weg durch die Farm, über die überfluteten Wege. Als die Wolken am Himmel dunkler wurden, fühlte sie sich wie auf einer Tour durch de Jurassic Park. Sie konnte nur beten, dass die Zäune intakt bleiben würden… Sie hätte zwar vielleicht nichts dagegen gehabt mit Sam Neill auf einem meterhohen Tropenbaum aufzuwachen, aber auf das Niesen des Arachnosaurus (?) konnte sie verzichten…
Der Regen wurde immer stärker. Irgendwann wurde beschlossen nicht mehr das Boot zurück zu nehmen, sondern die Passagiere im Bus nach Hause zu fahren. Das Wetter war weiß Gott nicht auf ihrer Seite. Als kleine Entschädigung schlenderte sie an diesem Abend noch einmal über den Nachtmarkt, der bereits NACHTS um halb 6 startete. Irgendwie dachte sie über die Farm nach. Was war das denn eigentlich? Eine Farm auf der ABSICHTLICH Krokodile gezüchtet werden, nur um einer neureichen Tussi ihre Handtasche zu liefern? Andererseits würden irgendwelche Wilderer die Natur verpfuschen, wenn es diese Farmen nicht gäbe… Und wir sollten tatsächlich die Krone der Schöpfung sein? Die Krone, die der Schöpfung selbst die Zacken ausbrach, oder was…?! 








 
Nachdem sie der ganzen Jewellery erfolgreich widerstanden hatte, gönnte sie sich Prawn Spieße auf einem Barrmundibett, served with Turkish Bread. Das sollte also Cairns sein. Eine Stadt, die ihr den Hals zuschnürte, mit der sie aber auf irgendeine geheimnisvolle Art und Weise in liebender Verbindung stand. Sie wusste, dass Hass und Liebe nah beieinander lagen. Aber SO nah? 





Langsam besserte sich ihr körperlicher Zustand wieder. Weihnachten war vorbei. Sydney stand als nächstes an. Sie wusste noch nicht ob sie tatsächlich eine Hafenrundfahrt wagen wollen würde…

Freitag, 24. Dezember 2010

Adelaide to Alice Springs


In weniger als 12 Stunden würde sie Adelaide schon wieder verlassen haben.  Der Sonntagnachmittag mäanderte an ihr vorbei und nachdem ihr 2 Stunden Tram Ticket definitiv abgelaufen war, machte sie sich vom Glenelg Beach auf den Weg zurück ins Hostel. Warum den Abend nicht mit Adrian Plitzcos Roman verbringen? Es hatte keinen Sinn, sich weiter den Kopf darüber zu zerbrechen, an wen oder was sie Beach-VOLLEYBALL erinnerte und die Ereignisse der kommenden Woche schon vorher wissen zu wollen…





Jedoch sollte schon Tag 1 dieser neuen Woche nicht nur bereits eine Herausforderung werden, sondern schon alle Fronten klären: Princess war ab der ersten Minute der 6 Day Adelaide to Alice Springs Safari ihr neuer Spitzname –  und dabei hatten sie ja noch nicht mal gecampt… Diesen Spitznamen zu ERHALTEN war allerdings im Umkehrschluss keine große Kunst: unter einem Pulk aus fast nur Männern sollte sie die nächsten 6 Tage verbringen. Dass DIE weniger anspruchsvoll in Sachen Haut, Haare, Nägel sein würden, verstand sich von selbst…
Wer waren also ihre Buddys? Ein nettes kleines Multi-Kulti-Trüppchen:

Koen 22, Niederlande
 
Koen war der wahrgewordene Traum eines jeden Modelscouts, der Calvin Klein Unterwäsche Models suchte. Seine Erscheinung in der Wüste strahlte heller und leuchtender als sich jegliche Phantasie einen Edward Cullen in der Sonne vorstellt. Seine glänzend blauen Augen spiegelten das klare Anthrazit des Himmels wieder, sein rötliches Haar bildete das goldene Äquivalent zum schroff-roten Wüstensand, seine helle Haut glänzte wie sie Salzseen der Northern Territory Wüsten und die tausend Sommersprossen, die sich über seinen ganzen Körper verteilten, reflektierten das funkelnde Sonnenlicht wie hunderte kleine Diamanten. Koen war das, was Luise seit jeher versuchte ihrem Bruder zu erklären: Menschen sind schön, sobald sie interessant sind. Koen war interessant. Und sehr lieb… Leider hatte er auch nach Tag 6 nicht ein einziges mal ihren Namen in den Mund nehmen können, sondern sich dauernd des Nicknames der Princess bedient… Es hätte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein können, aber wer ihren Namen nicht mochte, beleidigte ihr Innerstes…

Oliver, 45, französische Schweiz
 
Oliver Delétroz sah nicht aus wie 45. Oliver Delétroz sah auch nicht aus wie ein Franzose. Ebenso wenig verhielt er sich wie einer. Er selbst würde sich auch nicht als Franzose bezeichnen. Aber auch nicht als Schweizer. Seine Muttersprache ist Französisch, seit er denken kann, bereist er Australien, er war schon überall. Es gibt nichts was Oliver nicht kann. Er kennt die Sternenbilder, er kennt Pflanzen und Tiere, er kann Yoga, er ist Vegetarier, er kann Reflexzonenmassage, er trinkt allenfalls mal ein halbes Bier, dafür aber jeden Abend ein nach Klosterfrau-Melissengeist-stinkendes Gebräu, das ihm beim „Herunterfahren“ hilft, er meditiert bevor er schlafen geht, verfolgt den Weg der Luft in seine Lungen und wieder zurück, kriegt keinen Sonnenbrand im Outback obwohl er sich nicht eincremt, hat eine Kondition wie ein Marathonläufer, kurzum, er war eine Spur zu perfekt für Luise. Perfekte Menschen machten ihr Angst. Oliver schien bereits zu wissen, was sie sagen wollte, bevor sie überhaupt den Mund aufgemacht hatte… Oliver war definitiv anders… Nicht unbedingt weniger liebenswürdig. Aber anders… Aber was sollte es. Nach dem zweiten Tag hatte er sie bereits auf seine Skihütte in die Schweiz eingeladen, Snowboard zu lernen. Für Prinzessinnen natürlich kostenlos…

Steve, 21, England
 
Eigentlich in Australien wegen der Ashes hatte Steve beschlossen noch ein bisschen herumzureisen. Wer war Steve? Steve war Engländer. Zumindest war er das, was sich Luise unter einem Engländer vorstellte. Ansonsten war er selbstverliebt, versaut, arrogant: Genau ihre Wellenlänge. So dauerte es auch nicht lange bis sich Steve und Luise zur lustigsten Wandersymbiose unter Australiens Safarisonne zusammengefunden hatten. Auf jedem Hike waren die beiden die goldene Mitte. Oliver brauste voran, Koen hielt Schritt. Dann kamen Steve und Luise, die in etwa konditionsmäßig auf gleicher Höhe waren und alle halben Schritt Pause machten, um irgendein dummes Foto zu machen. Die grellpink-blaue Unterhose war außerdem ein treuer Begleiter. Sie war ein Abschiedsgeschenk von Steve´s Cricketkollegen in England. Luise gab ihr Bestes recht hübsche dumme Erinnerungsbilder von Steve in diesem Kleidungsstück zu machen… Hin und wieder schüttelte sie den Kopf, aber Steve hatte auch den Charme eines Engländers, sodass sie sich niemals großartig in den Haaren hatten…

Sandra und Chris, 24 und 25, Deutschland (die beiden rechts ;-) )
 
Sandra war neben Luise die einzige Frau. In klebender Gemeinschaft zu ihrem Freund Chris allerdings war es in etwa so, als ob Luise doch die einzige Frau war. Sandra hatte IHREN Chris und genauso stellte sich die Sachlage auch dar. Luise war auf sich gestellt, Sandra hatte Chris… Bis auf einen winzigen Hauch eines Eifersuchtsgefühls, das sie empfand, wenn die beiden in den atemberaubenden Momenten ihre Gemeinschaft teilten, kam Luise gut mit ihnen klar. Die Muttersprache verband sie. Zwischen Sandra und Luise gab es außerdem noch das verbindende Moment einer nicht vorhandenen Taschenlampe, die nachts in einem Zelt in der Wüste dringlich von Nöten gewesen wäre… God Bless Samsung Handys.

Luke, 24, Adelaide - TOURGUIDE ;-)
 
Zu Luke fehlten ihr die Worte. Luke war mehr als nur der Tourguide. Luke war Herz und Seele dieses Trips, Luke war der Atem, von dem diese Tour lebte, Luke war der Freund, den wir alle hatten, Luke war der Kenner, Luke war der, der auf sie aufpasste – und Luke war derjenige, der den Namen Princess erfand…

 
Tag 1 begann um 6.30 am beim Peter Pans Travelshop in Adelaide. Nachdem sämtliche Backpacks verstaut waren und sich schon die erste Unzulänglichkeit der Princess in Form von mangelnder Körpergröße auftat, die es ihr unmöglich machte ihre eigene Tasche auf die zweite Ebene im Trailer zu hieven, achtete Luise penibel darauf, dass auch ihr Bier verstaut war, das sie seit Warranambool mit sich rumschleppte und nun den Weg zum Uluru finden würde und setzte sich dann gemütlich in einen Sitz, um die kommenden zwei Stunden noch das ein oder andere Auge zuzutun.
Nachdem Luke sich vorgestellt hatte, schlummerte sie zu den leisen Akustikklängen eines Jack Johnson davon… Wieder wach wurde sie in Melrose, einer kleinen Stadt auf dem Weg nach Norden Richtung Northern Territory. Und bereits hier wurde ihr klar: Die nächsten Tage werden großartig werden. Die Sonne brannte jetzt schon. Noch vor Mittag war sie dazu gezwungen, die Leggings unter ihre Hose umständlich auf einer öffentlichen Toilette abzulegen… Dann gab es endlich die allseits geliebte Vorstellungsrunde im Bus. Luke zwang alle dazu, ihr peinlichstes Erlebnis in Australien zu erzählen und preiszugeben, wer welche Unterwäsche trug. Glücklicherweise hatte Luise sich an diesem Morgen für ein unverhängnisvolles schwarz entschieden und bis auf einen unfreiwilligen, in Handtüchern eingehüllten Besuch bei der Rezeption des Hostels, um nach dem Adapter aus ihrer Laptoptasche zu verlangen, um ihre Haare zu föhnen, noch nichts peinliches erlebt… Kurz nach Mittag erreichten sie ihre Unterkunft in Quorn, wo sie erst einmal alles auspackten, da sie 2 Nächte bleiben würden, um gleich danach Chickenburger zum Lunch zuzubereiten. Anders als bei der Tour nach Adelaide gab es auf dieser Tour auch Seife für die Allgemeinheit. Und Spülmittel. Luise war begeistert… Zeit zum gemütlichen Verdauen blieb nicht, ganz im Gegenteil, es sollten doch eher die 1000 Schritte aus dem Sprichwort getan werden: Es stand der Aufstieg zum Dutchmans Stern an. Obwohl der Berg an sich nicht unbedingt hoch war, war der Weg umso anstrengender. Auf einmal sehnte sich Luise nach den ruhigen ebenen Rentnerwaldwegen ihres geliebten Pfälzer Waldes. Kein Steinchen im Weg, moosiger Duft, frische Luft. Der Dutchmans Stern hielt sengende Hitze, steinige Pfade, luisehohe Gräser (inklusive Tieren darin) und heißen Wind bereit. Nichts desto trotz kämpfen sie sich nach oben. Und ab der ersten Sekunde, in der ihr Fuß den Gipfel betrat, wusste sie, warum sich dieser Weg gelohnt hatte. Der atemberaubende 360Grad Ausblick über Südaustralien, die Flinders Ranges bis hin zu den Salzseen war so unfassbar, dass es Luise tatsächlich mitten auf einem hohen Berg in 34 Grad Hitze und langer schwarzer Aladdinhose zu frösteln begann. Vor lauter Staunen hatte sie Gänsehaut an den Armen und im Nacken. Auf einmal war es da wieder, dieses Gefühl von dem, was Schriftsteller vielleicht Erhabenheit nennen würden…
Nach einer Yogasession auf dem Gipfel und der Taufe von Luise zu Princess (wahlweise Lulu) stand der Abstieg an und der war eigentlich viel schlimmer. Ein inneres Drängen nach möglichst vielen schönen Bildern brachte Luise dann auch noch zum Stolpern und nicht zuletzt zum Fallen. Ein dicker blauer Fleck mitten über ihren Rücken sollte sie die nächsten Tage verschönern…
Nach einem kühlen Bier zum abendlichen BBQ wollte uns Luke ein bisschen mit der Geschichte des Ortes Quorn vertraut machen. Es fiel im dazu nichts Besseres ein, als dem Grüppchen einen Horrorfilm zu zeigen, der auf einer wahren Begebenheit mitten um die Gegend von Quorn basiert. „Wolfs Creek“ mit Namen. Es geht um 3 Backpacker, die bei einer Autopanne von einem vermeintlich netten Australier aufgesammelt werden. In der Nacht macht er sie dann betrunken, quält und vergewaltigt die Frauen, verstümmelt den Mann und am Ende sterben alle… Super Sache vorm Schlafengehen und die zartbesaitete Luise konnte denn auch prompt nicht einschlafen. Aber weniger wegen des Filmes an sich, sondern eher wegen der Begegnung mit dem Hausmeister der Quorn Accomodation, der genau aussah wie der sadistische Verstümmler aus dem Film…

Melrose


Blick vom Dutchmans Stern über die Flinders Ranges...




 
Der Morgen von Tag 2 sollte der späteste Morgen der nächsten Tage werden: Frühstück um 7 Uhr. Im Vergleich zu den anderen Morgen sollte dieser tatsächlich der entspannteste sein… Vegimite on Toast und dann gings los zum Wilpena Nationalpark. Luke verpasste es den ganzen Weg über nicht die Schauplätze von Wolfs Creek zu zeigen und zu erläutern… Erleichtert die nächsten 3 Stunden nicht an diesen Film denken zu müssen, stieg Luise aus dem Bus und atmete sofort eine Luft ein, die ihr wohl ewig in Erinnerung bleiben würde im Sinne einer Reinheit, wie sie nur pralle Natur hervorbringen kann. An diesem Tag sollte die Wandersymbiose mit Steve geboren werden. Der Walk zum Wooronga Lookout nahm dreieinhalb Stunden in Anspruch und es war einer der schönsten Wege, die Luise jemals gesehen hat. Die Cockatoos und Kookaburas in den Baumkronen gaben ihr bestes Konzert, auf dem Rückweg gab es freilebende Kangaroos inklusive und Steve und Luise machten zu viel Quatsch auf dem Weg, als dass einer von beiden Langeweile empfand oder nochmal an Wolfs Creek gedacht hätte. Steve hätte wahrscheinlich ohnehin nicht dran gedacht…aber seis drum.
Währenddessen machte sich Luke einen schönen Lenz. Und nach dem Lunch im Park sollte mittags schon wieder gewandert werden. Langsam entdeckte Luise das Wandern für sich… Man musste ihm nur eine Chance geben. Dann war es gar nicht so schlecht. Und das Ziel zu erreichen war eines der besten Gefühle, das Luise sich vorstellen konnte. Wie generell in ihrem Leben. Ein Ziel haben. Dafür kämpfen. Dafür bluten. Dafür heulen. Sich verrückt machen. Es am Ende in den Händen halten… Die Wanderung an diesem Mittag führte das nette Gespann um Luke zu Aboriginal Caves in denen Malerein zu bestaunen waren… Und hier wurde der Grundstein zum Interesse an indigener Kultur bei Luise gelegt. Kultur interessierte sie nicht erst seit gestern. Aber auf einmal wurde ein kleines Feuer in ihr entzündet. Wer waren die Aborigines?




Die WanderWEGE...

...fast beim Lookout angekommen...


...ganz beim Lookout angekommen...









Die Frage sollte bis Tag 4 warten müssen, denn nach dieser Nacht, die ebenfalls in Quorn verbracht wurde, ging es morgens an Tag 3 um 4 Uhr in der Frühe los – ins Landesinnere. Irgendwann mussten die 1100 Kilometer, die es bis nach Alice Springs noch waren ja mal zurückgelegt werden…
Tag 3 stand ganz unter dem Motto des Deeper Undergrounds. Coober Pedy hieß der Zwischenstopp, an dem auch die Nacht verbracht werden sollte und zwar – wie könnte es anders sein – underground. Coober Pedy ist die Opalhauptstadt der Welt, überall Minen und Opalsuche, jeden Tag, 365 Tage im Jahr. Leute wohnen sogar unter Tage, nur um jeden Tag mit ihrem Pickel gegen die Wände hauen zu können, alles in der Hoffnung irgendwann auf ein kleines bisschen glitzernden Stein zu stoßen, der einen dann reich macht. Nachdem das Lager unter der Erde, in dem es widerlich nach Salz und Moder stank, zurechtgemacht war, gab es eine Minenführung und eine Stadtführung durch Coober Pedy. Luise nutzte die 30 Prozent Weihnachtsspecial Pricing, um ihren Zeigefinger der linken Hand um 66 Dollar reicher zu machen. Seit Mittwoch glänzt an dieser Stelle ein kleiner Singlet Opalring, der – laut Verkäuferin und Zertifikat – niemals kaputt gehen darf.
Am Abend zeigte sich Luke dann von seiner Freizeitseite. In Johns Pizza Bar war Dinner gebucht und zum ersten mal sahen ihn hier alle in seinem Billabong Freizeitdress. Die Kerle auf der Tour nahmen das offenbar zum Anlass wirklich den Kerl in ihnen rauszulassen und nach 98% der Witze auf Kosten der Princess war Luise auch einigermaßen genervt… Nach der Pizza zog die Truppe weiter in die – underground – Bar, in der nach dem Bier in Johns Bar nur noch mehr Bier getrunken wurde. Bei Luise war jedoch das Ende der Bierlatte erreicht. Sie musste umsteigen. Malibu hieß die Rettung, die hier in der Wüste eine erstaunlich erschwingliche war: 6 Dollar Malibu Ananas, plus Flirt mit dem Kellner… Der Abend neigte sich seinem ausgelassenen Höhepunkt zu, der in Form von Billard kulminieren sollte. Luke und Steve gegen die Frauen. Wer verliert, sollte lapdancen… Die Absichten waren eindeutig.
Der Abend nahm dann jedoch noch einmal eine überraschende Wendung, denn Luke schien keinesfalls entgangen zu sein, dass Luise in Johns Pizza Bar nicht die normale, sondern die genervte Princess gab. In der Underground Accomodation klopfte er vorsichtig an Luises Türchen und fragte höflich, ob sie dressed sei. Nach ihrem Ja trat er ein und setzte sich. Was mir auf dem Herzen läge, wollte er wissen. Er sei nicht nur Tourguide. Er merke es, wenn es seinen Schäfchen schlecht ginge. Also hat Luise erzählt. Luke war vertrauenswürdig. Sie war genervt von dem Princess-Quatsch. MAL ist es ja lustig, aber ein Witz der überreizt wird…ist keiner mehr. Versteht er. Außerdem habe sie Heimweh. Sie vermisse Freunde und Familie. Vor allem jetzt an Weihnachten. Versteht er auch. Er sei selbst erst vor 2 Jahren komplett ausgezogen und hat erst jetzt mit 24 seine Eltern zum ersten mal 8 Wochen am Stück nicht gesehen. Das tue scheiße weh, gab er ihr Recht. Außerdem sei er niemals wirklich alleine gereist, sagte er dann und er fände es extrem mutig, dass die kleine Princess den langen Weg von Deutschland nach Australien auf sich nimmt und dort all das macht, was sie macht. Sie solle stolz auf sich sein. Freunde und Familie zu vermissen sei normal und keine Schande. Aber vor allem dürfe sie nicht vergessen für wen sie das alles hier machte: Für sich nämlich. Um sich kennenzulernen. Und um sich zu erfahren. Und genau deshalb solle sie einen Scheißdreck auf alle anderen geben. Einen Scheißdreck auf blöde Tourguides, die dämliche Spitznamen für mutige Mädchen erfinden. Sie solle tun, wonach sie sich fühlt. Und vor allem sollte sie tun, was ihr Herz ihr sagte…

Salzsee auf dem Weg nach Coober Pedy...





...eeeeeeeeeeeeeeeeendloser Stuart Highway...




...sie vermisste das Schaf, dessen Bein geklebt war... zu Hause
in ihrer eigenen kleinen Krippe...


...ooooooooooooooohhhhhhhhhhhh, look at the
little Joey... bei so viel Schmalz wird Luise ja
normal schlecht...

...aber der little Joey war halt einfach süß...
und Malu ist übrigens der Aborigine-Name für ein
rotes Kangaroo...


Underground Bar...





Tag 4 begann schon wieder um 4 Uhr. Das Yulara Resort, das Uluru und Kata Tjuta beherbergt, wartete. Endlich! Zuerst ging es jedoch nach Erdunda, dem „Centre of the Centre“. Würde man die Fläche des Northern Territorys ausbalancieren wollen, müsste man den Finger auf Erldunda legen… Und dann kamen sie an. Uluru und Kata Tjuta. 2 Berge würde der schroffe Laie sagen. Aber noch niemals hatte Luise die Aura eines Ortes so sehr spüren können wie die dieser zwei heiligen Berge. Uluru ist der indigene Name für den „Ayers Rock“, Kata Tjuta der für die im europäischen Mund genannten „Olgas“. Seit tausenden von Jahren gehört das Land um diese Berge den Anangu, den Aborigines, die Pitjantjatjara und Yankunytjatjara sprechen. Die Aborigines in Alice Springs sind schon wieder andere – Arrente nämlich. Und auch um den Uluru gab es einmal ganz viele Stämme. In ganz Australien ehemals in etwa 250. Das Land um Uluru und Kata Tjuta gehört aber seit schon immer den Anangu. Rechtens zumindest. Dann kam der Weiße und nahm es ihnen weg. Nach 20 Jahren Massentourismus allerdings stellte man fest, dass man das Land den Anangu zurückgeben müsse. Die Weißen hatten es nur für 20 Jahre und schon ging alles kaputt. Sie wussten nicht, wie man das Land pflegt. Die Anangu wussten es. Erst 1985 wurde ihnen das Land dann offiziell von der Regierung wieder zurückgegeben und erst seit diesem Zeitpunkt herrscht eine Besuchermanier, mit der beide Kulturen, sowohl westliche als auch indigene leben können. Die Berge sind für die Aborigines heilig. Sie spielen eine große Rolle im Tjukurpa, der Creation Time. Im weitesten Sinne sowas wie unsere Genesis, aber auf keinen Fall chronologisch und eigentlich auch nicht vergleichbar. Aborigines glauben an das Tjukurpa, das ihnen sagt, wie die Welt und was darin lebt, erschaffen wurde, wie man heute leben soll, welche Verhaltensregeln es gibt und wie man sich verhält, wie man in der Wüste überlebt, wo man Wasser findet, welche Honigameisen schmackhaft sind etc. Tjukurpa Geschichten sind aber ebenfalls heilig und nicht für alle zugänglich. Einige sind nur für Frauen, andere nur für Männer. Und keine davon sind für Weiße. Alles was wir wissen – und wissen sollen – sind verkürzte Versionen. Die Aborigines wollen ihre Tjukurpa Geschichten schützen. Sie sind zu wertvoll als dass sie sie einfach weiterplaudern könnten. Wenn sie innerhalb des Stammes niemanden finden, der ihnen würdig ist, dann stirbt die Geschichte mit dem letzten, der sie kannte. SO wertvoll sind sie. Und genau mit diesem Respekt wollen die Aborigines auch behandelt werden. Und ihr Besitz. Verdientermaßen. Sie bitten daher z.B. auch den Uluru nicht zu besteigen. Nicht nur, weil er ein heiliger Berg ist und tausende Touristen ihn kaputttreten würden, sondern auch weil sie sich in höchstem Maße verantwortlich fühlen, wenn etwas beim Klettern passiert…
Luise war wie benebelt. Die beiden Bergsilhouetten ließen Gefühle in ihr wach werden, die sie nicht mal beschreiben konnte. Sie strahlten unbändige Kraft aus. Und Ruhe. Stärke, sich den Gegebenheiten zu stellen, wie rau und uneben auch immer die Umgebung war. Und Sanftmut, Hilfesuchenden Schutz zu bieten. Wie Hans Guck in die Luft stolperte Luise an diesem Nachmittag den Wanderweg durch die Kata Tjuta Bergkette entlang. Sie wollte am liebsten fliegend wandern, um nicht hinsehen zu müssen, worauf ihre Füße traten. Sie wollte alle Augen, alle liebenden Blicke dem Berg zuwerfen. Wie benommen hörte sie, was Luke von der Erdgeschichte erzählte, wie die Kata Tjuta Kette zustande kam, wie Uluru entstand, welche Tiere hier leben, welche Bedeutung welche Lizards haben… Sie vermutete, der Mund stand ihr offen, SO erstaunt war sie von allem…
Der Abend sollte diese Faszination auf den Höhepunkt bringen: Sunset über dem Uluru. Luke brachte die Gruppe aber erst einmal wieder dazu, vor dem Uluru allen möglichen Quatsch zu machen… Der Champagner und die Hitze taten ihr übriges… Leider war der Sonnenuntergang ein bisschen wolkenverhangen. Nichts desto trotz sollte das Gefühl beim Anblick der versinkenden Sonne einfach nur extrem sein. Erstickend, als ob ihr jemand den Schal, den sie trug um die Gurgel gelegt hätte und zuzieht, stand Luise da und unterdrückte das Schluchzen, das in ihr aufkam. Leise Tränen zeugten von der atemberaubenden Situation, in der sie sich befand…
 Atemberaubend würde auch die Nacht werden. Vorbei waren nämlich die Zeiten, in denen es ein Bett gab. Camping lautete die neue Devise… Ein Glück mussten die Zelte nicht erst aufgebaut werden, sondern waren schon da, in Form von Permanently Erected Campsites nämlich. Gummizellen, die in der Sonne des Outbacks und den Milliarden schwitzenden Menschen, die diese Tour schon vorher gemacht hatten eben genau so rochen… Luke erläuterte daraufhin die Möglichkeit unter den Sternen zu schlafen. Luise spielte mit diesem Gedanken. Ganz ehrlich. Inzwischen war es aber nach 10 Uhr, sie war müde wie selten zuvor in ihrem Leben… Es hätte nicht viel gefehlt und Luise hätte tatsächlich den Schritt gewagt, sich mitten auf den Boden zu legen und dort tatsächlich die Nacht zu verbringen. Ausschlaggebender Minuspunkt in Richtung des miefenden Zeltes war jedoch die Dingo-Gefahr. Nacht für Nacht wurden nämlich alle, die draußen schlafen würden, von den umherstreunenden Dingos inspiziert werden. Dingos, klingt nicht soooo schlimm. Weniger schlimm als Spinnen und Schlangen vielleicht. Aber Luise entschied sich dagegen, sobald dieser Satz fiel: “It may happen that they take something with them. You know, little souvenirs like mobile phones, passports…” Nein. Diese Sorgen wollte sich Luise nicht machen müssen. Entscheidung gefallen. Sie nahm einen Schlafsack aus dem Trailer, dachte nicht darüber nach ob Adventure Tours diese regelmäßig waschen würde, legte sich ins dunkle, stinkende Zelt und ließ Gott einen guten Mann sein, der die Sonne am nächsten Morgen um 5.50 Uhr aufgehen ließ, wozu die Gruppe ein weiteres mal um 4 Uhr aufstehen müsste…


Endlich mal nicht mehr in Südaustralien...


Wanderung durch Kata Tjuta beginnt...

...und dauert...

...und dauert...

...und danach erklärt Großmeister Luke die Erdgeschichte...

Kata Tjuta



UND: Uluru





 
Sonnenaufgang über dem Uluru. Und als ob die Wolken es bereits ankündigten, dass die nächste Nacht keine gute werden sollte, war der Aufgang eher verhalten. Minimal konnte Luise den Zauber erfahren, der sich entfaltete, sobald der Uluru von der Sonne angestrahlt wird und seine Farbe verändert… Sie hätte sich dennoch am liebsten hier hin gelegt um sofort zu sterben. Wenn sie einmal sterben müsste, dann hier. Mitten in diesem Moment unter Millionen von Lions Gruppen, die in Shorts und weißen Tennissocken ihre deutsche Herkunft verrieten. Ein bisschen musste Luise an dieser Stelle sogar lächeln. Nein. Ihr Vater hätte niemals Shorts und weiße Tennissocken an diesem Ort getragen. Ihre Mutter war sowieso nicht der Shorts Typ. Außerdem hätten ihre Eltern diesen Moment mit mehr Respekt behandelt…
Keine Zeit, sich solchen Gedanken hinzugeben ließ Luke jedoch, denn kaum war die Sonne über dem Uluru aufgegangen, sollte sich die Gruppe auch schon auf dem Wanderweg drumherum wiederfinden: Uluru Base Walk – wiedermal dreieinhalb Stunden. Luise schlug sich tapfer, immerhin hatte sie ein weiteres Mal ihren Walking Buddy Steve zur Seite, der auch dieses Mal die Landschaft durch die pinkfarbene Unterhosen verschandelte. Manchmal musste Luise lächeln, manchmal wurde es ihr zu viel. Ein heiliger Berg ist ein heiliger Berg. Nicht umsonst darf man an vielen Seiten überhaupt keine Fotos machen – Sacred Sites der Aborigines. Aber die Wanderung selbst konnte Luise im Nachhinein schon wieder kaum beschreiben. Dass ein dicker brauner Felsbrocken mitten in der Wüste ein solche Schönheit sein kann…konnte sie nicht begreifen, wollte sie aber auch gar nicht. Sie wollte sich dem Moment hingeben, an nichts denken müssen und nur den Duft einer langen, ereignisreichen Geschichte und Kultur um dieses ganze Mysterium einatmen können…
Nach dem Basewalk kam Luises Highlight – das Culture Centre. Und hier durften sie dann nur eine läppische Stunde verbringen. Nicht mal genug Zeit um die HÄLFTE der Infotafeln zu lesen, geschweige denn die Fetzen von Tjukurpa Geschichten, die preisgegeben wurden… Zeit genug, ihren Eltern, vor allem ihrem Papa eine kleine Widmung im Uluru Guest Book zu hinterlassen, blieb allerdings. An kaum einem anderen Ort bisher musste sie so oft und so sehr an ihre Eltern denken wie an diesem. Vielleicht auch wegen der Geborgenheit, die dieser Ort ausstrahlte? Sie wusste es nicht, würde noch lange darüber nachdenken… Im Moment war der Zeitplan aber zu straff und nach dem Mala Walk, bei dem Luke zumindest noch ein bisschen über die Anangu und ihre Prinzipien erzählte, ging die Reise schon wieder weiter, zurück auf den Stuart Highway, der sich mitten durch Australien bis hinauf nach Darwin zieht, um abends beim Kings Canyon Campground anzukommen. Der Regenbogen knüpfte an den wolkenverhangenen Morgen an und es dauerte nicht lange bis es – mitten in der trockenen australischen Wüste – begann zu regnen. Regen ist ein schwaches Wort für das was es tatsächlich tat, denn es schüttete, als ob sich der eifersüchtige Himmel entschlossen hätte, Luises Liebe zur Sonne ersticken zu wollen. Innerhalb von 4 Minuten war denn der gesamte rote Wüstensand, der ihre neuen Vans ohnehin schon mit einer hellgoldorangenen Staubschicht überzog zu einem Matschloch geworden, durch das es nun zu waten galt… Erneutes Schlafen in einem stinkenden Gummizelt, alle Erwägungen eines Schlafens unter freiem Himmel dahin… In 10 Minuten zwischen abflachendem Regen und erneut aufziehenden Gewittern zeigte Luke all sein Können beim Didgeridoo Spielen, bevor Luise dann die Nacht damit verbrachte, zu überlegen wie viel Wind und Regen diese Zelte ertragen könnten…









Steve und Luise haben diesen Teil feierlich:
THE MOUTH getauft...


...eine der Tjukurpa Geschichten von der guten
und der bösen Schlange...


Malereien...




Viel Zeit dazu blieb jedoch wieder nicht, denn der nächste – letzte – Morgen startete ebenfalls wieder um 4 Uhr früh. Durch Matsch und überflutete Wege bahnte sich das Grüppchen um Luke seinen Weg hin zum Kings Canyon, der an diesem Morgen erklommen werden sollte. So zumindest der Plan. Erneute dreieinhalb Stunden wandern lagen vor Luise und ihrer Regenjacke. Aber Luke war vorsichtig und überließ uns die Wahl: Dieser Walk sei gefährlich, Menschen sind dabei gestorben, der Pfad zu Beginn heißt nicht umsonst Heart Attack Hill und sobald es wieder anfinge zu regnen, müssten wir sofort umkehren, da der gesamte Canyon nur aus porösem Sandstein besteht. Wollte die Gruppe ihn trotzdem wagen? Sie wollte und es war ein Abschluss, den sie alle mit Sicherheit niemals vergessen werden würden. Vor allem Luise würde ihn nicht vergessen, nicht zuletzt aus dem Grund, da ihre Kamera an diesem Tag den Geist aufgab. Permanently Erected Campsites haben nicht nur kein Licht, sondern auch keine Steckdosen. Und da sie die eine im Badehaus dringend für ihren Föhn benötigte, entschloss sie sich dazu, alles was es nach dem Ausfall des Akkus noch zu sehen gab in liebender Erinnerung zu behalten… Vielleicht würde es ja einen netten Menschen geben, der ihr die Bilder emailen konnte? Abwarten…

Luke hat barfuß ausprobiert ob die Pfütze auch nicht zu
tief fürs Auto war...ekelhaft :-D

Heart Attack Hill...SO sieht er harmlos aus...


Kings Canyon...

Bumerang Baum...Sie war zu müde sich den
Aborigine-Namen dafür zu merken...



Die australische Variante der Geschichte vom Hasen und vom Igel,
in Australien warens Hase und Schildkröte

...ja, das Braune auf der anderen Seite sind Treppen und ja die ganze
Gruppe ist bis zur anderen Seite gewandert...und wieder runter...

 
Mittags um 4 erreichten sie nach gefühlten einhundert Weat Bix-Schnelless-Wettkämpfen im Bus (Luise war Dritte, hinter Steve und Oliver, also bitte…) endlich Alice Springs, eine Stadt, die Luise von der ersten Sekunde an irgendwie an Herrn Takeda erinnerte. Auf einmal fand sich Luise wieder inmitten von Differenzen, Fremdheiten, Hybriditäten. Was ist Kultur? Wer ist man, der man sagt, man gehört zu einer bestimmten Kultur und nicht zu einer anderen? Was verbindet Kulturen, was trennt sie? Wer oder was ist fremd? Fremd wovon? Fremd war sich Luise ohnehin selbst, anders konnte sie sich nicht erklären, warum sie von ihren eigenen Erlebnissen in der 3. Person schrieb. Aber fremd war ihr auch das Land an sich, fremd waren ihr nun die Aborigines, die aus Verzweiflung um den drohenden Untergang ihrer Kultur versuchten, ihr die Handtasche zu stehlen, sie um Essen anbettelten, in unverständlichen Worten und Lauten kommunizierten und sich in Parks und Straßenrändern dem Alkohol hingaben. Aber warum? Ist eine Kultur etwas, das Menschen trennt? Sollte es nicht Grundstein sein, der Menschen zusammenführen kann? Der andere, aber deshalb nicht weniger wertvolle Lebensentwürfe aufzeigt? Wo befinden sich die Aborigines heute? Mit welchem Recht kamen die Weißen damals und nahmen ihnen ihr Land? Wie leben sie heute in einer Stadt, die sie so niemals hätten aufbauen wollen, einfach weil es gar nicht ihr Konzept von Stadt ist. Wie leben sie in einer Stadt, geprägt von einer Lebensweise, die nicht ihre eigene ist?
Diese Fragen würden Luise auf dem weiteren Weg begleiten… Bis sie in diesem Gedankenwirrwarr ein Stückchen weiter gekommen sein würde, ließ sie Bilder beschreiben, was sie sonst in Alice erlebte…




Ein Blue Tounged Lizard: Spielt ne große Rolle im Tjukurpa...

...die Olive Python nicht...

...aber sie wusste offenbar, dass Luise über den Kopf
die meiste Körperwärme verlor...

Royal Flying Doctor Service: Wenn sie im Busch kolabiert
wäre, hätten die Jungs sie abgeholt...

...Alice´s größer Fluss: Der Todd River

Aborigines vorm Weihnachtsbaum...
irgendwie absurd...

Alice Spring´s Shopping Centre...
 
Und während sie diese Zeilen schreibt, tippen ihre Finger leise in die tropische Nacht eines nordaustralischen Cairns hinein…Sie hatte Sonnenbrand obwohl den ganzen Tag ein tropischer Regen fiel, im Woolworths musste sie gegen 16.37 Uhr des heutigen Tages zwischen „All I want for Christmas“ einer Mariah Carey und dem Anblick von Walkers Short Bread und Dänischen Butterkeksen weinen und morgen würde sie den 24. Dezember auf der Ocean Free verbringen und hoffen, dass sie ein Great Barrier Reef von ihrem Heimweh ablenkt… Schon wieder ein neues Australien, ein neuer Blickwinkel ganz für sie allein…

All ihren Lieben wünschte sie von ganzem tiefsten inneren Herzen schöne Weihnachten! Sie litt bei dem Gedanken jeden einzelnen von ihnen nicht beschenken zu können… 


Weihnachtsmenü dieses Jahr: Lamington plus real rosted coffee
(fair getraded versteht sich) - im linken Hintergrund: Opalring...
Weihnachtsküsse aus Down Under.
Luise