Sonntag, 6. Februar 2011

Der rote Faden

Es war einmal eine Prinzessin, die lebte in einem fernen Land, weit weg von zu Hause. Ihr Vater, König Superbus, hatte sie dorthin geschickt. Auf diese Weise sollte die Prinzessin lernen, wie es ist, ohne die Hilfe, den Schutz und die Wärme des Vaters ihren Weg zu gehen. Die Prinzessin tat, wie ihr geheißen wurde. Sie versuchte alles in ihrer Macht stehende ihr eigenes Königreich aufzubauen, um so dem Wunsch des Vaters gerecht zu werden. Dabei wusste sie immer, dass er eine schützende Hand über sie halten würde.


Jedoch kam die Zeit, in der das entstehende Königreich der Prinzessin bedroht werden sollte. Die böse Eiskönigin erhob Anspruch auf das Land der Prinzessin, wollte ihr das Land wegnehmen und die Bewohner, die die Prinzessin zu beschützen versuchte, unterwefen. Die Eiskönigin war zudem eine Hexe. Sie belegte die Prinzessin mit allerlei Flüchen, die es ihr unmöglich machten, ihr Volk wie eine edle Herrschein zu lenken. Stattdessen wurde die Prinzessin krank. Die Eiskönigin hatte einen Zauber ausgesprochen, der böse Gedanken im Kopf der Prinzessin gedeihen ließ. So begann die Prinzessin zu zweifeln. Sie zweifelte an ihren Fähigkeiten eine gute Königin werden zu können, die ihr eigenes Reich aufbauen könnte. Sie zweifelte an ihrem Edelmut, an ihrem Pflichtbewusstsein, sie zweifelte an den wertvollen Menschen, die ihr gut zusprachen, sie zweifelte an den Dingen, die ihr Leben ausmachten, sie zweifelte an Schönheit, Wahrheit und Freiheit.

Selbst die Medizinmänner im Land der Prinzessin wussten nicht mehr weiter. Sogar die klassischen Märchenheilmittel wie verzauberte Schuhe, verwunschene Haarklammern und diamantener Schmuck waren nutzlos.
Die Eiskönigin wurden inzwischen mächtiger. Sie bekam sogar Hilfe. Die intrigante Schlange Intranetta stand auf der Seite der Eiskönigin. Sie belegte das ganze Land der Prinzessin mit einem Schweigefluch, sodass die Bewohner nicht König Superbus über ihr Leid informieren konnten. Intranetta machte es einem Jeden unmöglich die volle Wahrheit öffentlich auszusprechen.

Die Zeit verging. Die Menschen im Land der Prinzessin waren verzweifelt und die Situation schien aussichtslos. Aber es gab etwas im Leben der Prinzessin, an dem sie nicht zweifelte. Kein Fluch und kein Zauber dieser Welt konnte bewirken, dass sie daran zweifelte: Sie zweifelte niemals an der Liebe. Die Liebe bewirkte, dass König Superbus spüren konnte, dass mit seiner Tochter etwas nicht stimmte. Deshalb schickte er seinen edelsten Ritter in das Land der Prinzessin. Der Ritter sollte helfen, die Prinzessin vom Fluch zu befreien und die Eiskönigin aus dem Land zu vertreiben. Jedoch konnte der Ritter diese Aufgabe nicht für die Prinzessin erledigen. Die Prinzessin musste die Aufgabe selbst vollbringen, der Prinz konnte ihr nur die Hand führen, ihr nur sagen, welche Gefahren sie zu bestehen hatte.

Als erstes musste die Prinzessin den Glauben an die Menschen zurückgewinnen. Dazu war es nötig, dass viele verschiedene Kulturen an einem Tag in einem Land zusammenkamen. So sollte der Prinzessin gezeigt werden, dass es etwas zwischen Menschen gab, das sie verband, egal wo sie herkommen, egal welchen Hintergrund sie haben. Diesen Tag nannte der Ritter Australia Day, um die Eiskönigin hinters Licht zu führen. Er veranstaltete eine große Parade, die der Prinzessin zeigten, dass Menschen zusammenhalten können, dass Menschen - so unterschiedlich die kleinste Ausprägung ihres Charakters auch sein mochten - ein gewisses Moment des Mensch-Seins teilten. Die Prinzessin litt an diesem Tag. Der Fluch der Eiskönigin bewirkte, dass die Gespräche der Menschen in ihren Ohren zu kreischendem Kratzen wurden, dass sie rasend wurde, dass sie sich die Ohren vor Schmerz zuhalten wollte. Aber der Ritter half ihr, den Tag durchzustehen. Er blieb bei ihr und streichelte ihr den Rücken.
Eine Begegnung mit einer kleinen Magierin aus dem fernen Osten und einem tiefsinnigen Twardowski bewirkte es sodann, dass die Prinzessin den Glauben an die Menschen zurückgewann. Die Magierin hatte ihr gezeigt, dass sie ihr Leben lebte nach den Prämissen, die sie stellte, aber anderen nicht im Weg damit stand. Die Magierin erklärte ihr, dass es im Leben darum ginge mit dem Herzen zu leben, mutig zu sein und spontan das Richtige zu entscheiden. Der Twardowski öffnete der Prinzessin die Augen. Er heilte ihr Inneres durch einen Ritt auf seinem Fahrradbesen und hatte bei Porridge mit braunem Zucker, Milch, Honig und Banane ein offenes Ohr für all ihre Probleme...























Die asiatische Magierin und ihre Zauberkleidchen...

Twardowski

Peter

Jagla
...und Friso aus Holland...
Am Ende des Tages veranstaltete der Ritter ein großes Feuerwerk, um der Eiskönigin mit dem Element der Flammen einen ersten Schlag zu versetzen.
Doch die weiteren Prüfungen sollten erst noch bestanden werden müssen.

Die Eiskönigin konnte nur überleben wenn es auch im Inneren der Prinzessin eisig war. Deshalb bat der Ritter die australischen Wüstenwinde um Hilfe, die Wolken hinwegzupusten, um der Sonne der südlichen Hemisphäre eine Arena ihrer Kunstfertigkeit zu bieten. Hier sollte die Prinzessin die Feuertaufe des Strandbadens durchleben. Wenn sie dies geschafft haben würde, könnte auch der Kampf gegen Intranetta beginnen: Ein Bild, das zeigt, dass die Prinzessin in der Lage war, die Elemente von Sonnenfeuer, Meereswasser, Wüstenluft und Stranderde zu vereinen, sollte an jedem Baum im Wald der Prinzessin aufgehängt werden. So wurde das Schweigen, welches sich über dem Land ausgebreitet hatte, durchbrochen, denn die Prinzessin hatte es geschafft, eine Öffentlichkeitshemmschwelle zu durchschreiten:


Der Ritter bat außerdem zwei Wichtel um Hilfe. Diese verkleidete er als ein Liebespaar, das bei der Prinzessin im Schloss wohnen sollte. Auf diese Weise blieb die Prinzessin im Glauben, die beiden wären nur an ihrem eigenen Fortkommen im Leben interessiert, sie wohnten eben nur zufällig im selben Haus. In Wahrheit aber waren Verabilis und Thilodolius die wertvollsten Seelenhelfer der Prinzessin. Geduldig hörten sie sich ihre Klagen an, stündlich wischten sie ihr mit einem warmen Waschlappen die Schweißperlen der mentalen Anstrengungen weg und voller Freude brachten sie die Prinzessin raus aus ihrer stickigen Umgebung, um zu verhindern, dass ihr die Schlossdecke auf den Kopf fiel.
Auch am Tag des Elementevereinens waren die drei zusammen.





Der Ritter spürte, dass nicht mehr viele Aufgaben notwendig sein würden, um die Stärke in der Prinzessin zurückzugewinnen. Zwei Dinge musste die Prinzessin noch lernen: Erstens: den Kopf auszuschalten, um unreflektiert Spaß haben zu können und zweitens: kleine innere Ängste zu überwinden. Dafür schickte der Ritter zwei seiner Ritterfreunde, Maximus Marcus und Obscurus Nathanus.

Obscurus Nathanus half der Prinzessin, Orte aufzusuchen, vor denen sie sich seit jeher gefürchtet hatte. Aber nur so war es möglich, ihr eigenes Land besser zu kennen, als es der Eiskönigin jemals möglich sein konnte. Spielschwebend und tänzelnd bewegten sich die Prinzessin und Obscurus Nathanus durch dunkle Gassen, verwinkelte Bars und schauderhafte Plätze. Und plötzlich: fühlte sich die Prinzessin wohl. Sie erfuhr durch die Zeit mit Obscurus Nathanus, dass das Äußere eines Menschen täuschen kann, sie erfuhr, wie wichtig Menschen für das eigene Wohlbefinden sind. Wenn einem Menschen nicht das Gefühl geben konnten, sich wohl zu fühlen, konnte der Ort, an dem man sich befand, der schönste auf Erden sein. Umgekehrt vollbrachten es wohl nur wertvolle Menschen, dass selbst der gruseligste Ort auf der Welt einer werden konnte, an dem man gerne den Abend an sich vorüberziehen lässt.









Maximus Marcus war die Figur des Erreichens. Durch die Zeit mit Maximus Marcus wurde der Prinzessin bewusst, dass sie erst am Anfang ihrer Herrschaft stand und der Erfolgsgipfel noch irgendwo verschwommen in der Zukunft lag. Aber Maximus Marcus versicherte sie auf eine unaufdringlich angenehme Art und Weise, dass er kommen würde. Und dann würde auch die Prinzessin ihre Hemden für 4 Dollar pro Stück in der Wäscherei waschen und bügeln lassen können. Diese Aussichten beruhigten die Prinzessin. Sie fand ihre Unbeschwertheit wieder. Sie fühlte sich mit den Gedanken plötzlich ganz bei sich selbst, ganz beim jetzigen Moment, wie ein Kind, das nicht daran denkt, ob es fallen könnte, wenn es das Laufen probiert.
Maximus Marcus entlockte ihr wieder das Gefühl eine besondere Person zu sein, die man gerne trifft, mit der man gerne etwas unternimmt.


Burgfräulein Karen links, Maximus Marcus rechts








Die Prinzessin war bereit.
Nicht nur der Ritter wusste es, sondern die Prinzessin spürte es in sich selbst. Sie war vorbereitet auf den Kampf. Mit dem sonntäglichen Beginn des chinesischen Hasenjahres sollte er anfangen. Der Krieg gegen die Eiskönigin, der Krieg gegen Intranetta, der Krieg gegen innere Dämonen.
Und sie würde den Sieg davon tragen. Sie wusste es.

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